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Mrz 2009
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von RA Florian Hitzelberger

Die Internet-Verwaltung ICANN hat sich dem Druck gebeugt: nach heftiger Kritik von Regierungen, Unternehmen und Organisationen aus aller Welt sind die Pläne zur Einführung zahlreicher neuer Top Level Domains (TLDs) vorerst aufgeschoben. Ein Live-Start neuer Endungen noch in diesem Jahr ist somit ausgeschlossen.

Rund 90 Minuten lang versuchte der ICANN-Vorstand anlässlich des Mexiko-Meetings, die Änderungen und Ergänzungen am zweiten Entwurf des Bewerberhandbuchs zu erläutern, doch richtig überzeugen konnte man offenbar nicht. Dutzende von Unternehmen wie Yahoo, Microsoft oder Time Warner hatten schon im Vorfeld kritisiert, dass neue Endungen die Kosten für defensive Registrierungen drastisch erhöhen würden, obwohl der Nachweis, dass ein Bedarf für neue generische Endungen besteht, gar nicht geführt sei. Diesen Bedenken trägt ICANN nun Rechnung und hat beschlossen, dass der Markenschutz weiteren “community input and analysis” bedarf. Zu diesem Zweck wurde ein Implementation Recommendation Team (IRT) zusammengestellt, das Lösungen zum Markenschutz bei der Einführung neuer TLDs entwickeln und vorschlagen soll. Der IRT-Report soll bis spätestens 24. Mai 2009 vorliegen, so dass er beim ICANN-Meeting im Juni in Sydney diskutiert werden kann. Zudem werden die bisherigen Kritiken in eine dritten Entwurfsfassung des Bewerberhandbuchs eingearbeitet.

Darüber hinaus sollen weitere Studien betreffend die DNS-Stabilität und die Auswirkungen neuer Top Level Domains auf den Domain-Markt eingeholt werden. Teil hiervon ist eine von ICANN beauftragte Studie von Dennis Carlton, Professor an der University of Chicago. Darin zieht er den Schluss, dass neue TLDs dem Wohle der Verbraucher dienen und für neuen Wettbewerb unter den großen Registries sorgen; zugleich sprach er sich gegen Preisobergrenzen für Domains aus. Dass Carlton damit nur zufällig die Positionen ICANNs bekräftigt, vermag kein objektiver Betrachter zu glauben; mit weiteren Studien ist zu rechnen. Und auch sonst wartet dieses Jahr viel Arbeit auf ICANN: Nach den Vorstellungen des Vorstands soll vor allem die Einführung vollständig internationalisierter Top Level Domains spätestens beim Meeting Ende Oktober in Seoul beschlossen werden, um mit der Implementierung zu beginnen. Russland will sogar bereits am 1. Juli 2009 mit .ru-Domains in vollständig kyrillischer Sprache loslegen.

Angesichts der zusätzlichen Arbeit gilt der bisher angestrebte Start für neue Endungen im 3. Quartal 2009 als ausgeschlossen; laut ICANN werden Bewerbungen frühestens im Dezember 2009 oder im 1. Qartal 2010 entgegengenommen. Selbst bei günstigsten Bedingungen stehen neue TLDs damit frühestens Mitte 2010 zur Registrierung zur Verfügung. Welche dies sein werden, ist angesichts der unklaren Bewerberbedingungen offener denn je.

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