10
Feb 2016
von RA Florian Hitzelberger

Die New Yorker Dotgay LLC hat mit ihren Beschwerdeverfahren offenbar kein Glück: nachdem man mit dem zweiten Versuch, die eigene Bewerbung für .gay als »Community-Endung« qualifizieren zu lassen, deutlich gescheitert war, blieb auch ein zweiter Antrag für ein »request for reconsideration« erfolglos.

Das bedeutet nicht, dass Dotgay LLC nicht den Zuschlag für .gay erhält; man muss sich allerdings gegen die Konkurrenz aus Top Level Design LLC, United TLD Holdco Ltd. und Top Level Domain Holdings Limited durchsetzen. Offenbar genervt von den ständigen Anschuldigungen von Dotgay LLC, man wolle .gay verhindern, hat sich nun sogar Chris Disspain von ICANN zu einem Blogeintrag hinreissen lassen. Die Zurückweisung des »request for reconsideration« bedeutet nicht, dass man die Bewerbung von Dotgay LLC in Frage stelle; es stehe nur fest, dass ICANN die eigenen Regeln eingehalten habe. Mit anderen Worten: .gay wäre wohl schon längst eingeführt, wenn Dotgay LLC nicht ständig neue Beschwerdeverfahren anstrengen würde. Ob man sich davon beeindrucken lässt, ist abzuwarten; aktuell könnte Dotgay LLC noch den Versuch starten, ein »Independent Review Process«-Verfahren einzuleiten.

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10
Feb 2016
von RA Florian Hitzelberger

Die ersten vier Wochen des Jahres 2016 sind herum, und es ist alles beim Alten: .com dominiert unverändert die Nachfrage bei den Registraren. Aber auch Guinea-Bissau freut sich über reges Interesse an der eigenen Landesendung.

Beginnen wir mit einem Überblick: wie das Council of European National Top-Level Domain Registries (CENTR) meldet, waren am 31. Dezember 2015 weltweit insgesamt 311,5 Millionen Domains registriert. Davon entfallen 158,7 Millionen Domains auf die so genannten »legacy TLDs« wie .com, .net und .info, und weitere 140 Millionen auf ccTLDs. Hinzu kommen 10,9 Millionen an nTLDs sowie 1,6 Millionen IDNs. Wachstumstreiber bleibt vorläufig jedoch allein .com; die Kommerzendung kann im ersten Monat des neuen Jahres um über 700.000 Domains zulegen. Sowohl .net als auch .org verlieren dagegen unter dem Strich jeweils etwa 20.000 Domains netto an Registrierungen. Noch schlimmer erwischt es .biz, die fast 30.000 Domain-Namen verliert. Dafür scheint .info endgültig in die Erfolgsspur zurückgekommen zu sein: für sie geht es um satte 218.395 Domains netto voran.

Bei den nTLDs gebietet es die Chronistenpflicht, darauf hinzuweisen, dass inzwischen knapp 900 Endungen neu delegiert sind. Zusammen kommen sie auf über 12 Millionen Registrierungen, wobei an der Spitze unverändert .xyz mit etwa 1,96 Millionen Domains steht, vor .top mit gut 1,1 Millionen und .wang mit etwa 630.000. Das mag sich jetzt nicht überragend anhören, aber .xyz hat inzwischen mehr Registrierungen als .us, offizielles Länderkürzel der USA, und die gibt es immerhin schon seit dem 15. Februar 1985 – ein Vorsprung von knapp 30 Jahren.

Zum Abschluss schauen wir uns noch ein bisschen bei den ccTLDs um. Von dort erreicht uns die Nachricht, dass das spanische Länderkürzel .es im Jahr 2015 um 2,27 Prozent auf 1.795.037 Domains angewachsen ist. Damit spürt auch Spanien das gebremste Domain-Wachstum, konnte man 2014 doch noch einen Anstieg um 3,46 Prozent vermelden. Etwas besser schlägt sich Kolumbiens .co. Die als generische TLD vermarktete Länderendung konnte im Januar 2016 erstmals über zwei Millionen Registrierungen verzeichnen. Das besondere: im Jahr 2014 gab es einen Anstieg um 10 Prozent, 2015 waren es bereits 18 Prozent. Ob diese gesteigerte Nachfrage auf chinesische Investoren zurückzuführen ist, ließ die Betreiberin Neustar Inc. offen. Das können wir zumindest für .gw ausschliessen: wie die National Regulatory Authority of Guinea-Bissau mitteilt, konnte man im ersten Jahr nach dem Neustart immerhin 300 Domain-Registrierungen verzeichnen – das lässt reichlich Platz für zahlreiche weitere attraktive Internetadressen, nicht nur für Chinesen!

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de16.055.195(Vergleich zum Vormonat:+ 47.509)
.at1.270.365(Vergleich zum Vormonat:+ 1.344)
.com124.699.408(Vergleich zum Vormonat:+ 705.875)
.net15.796.615(Vergleich zum Vormonat:– 18.795)
.org10.938.906(Vergleich zum Vormonat:– 21.566)
.info5.433.799(Vergleich zum Vormonat:+ 218.395)
.biz2.388.739(Vergleich zum Vormonat:– 28.782)
.eu3.796.997(Vergleich zum Vormonat:+ 6.813)

(Stand 1. Februar 2016)

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09
Feb 2016
von RA Florian Hitzelberger

Die japanische GMO Registry Inc. muss um den Verwaltervertrag für .shop fürchten: am 26. Januar 2016, also einen Tag vor Beginn der ICANN-Auktion, hat Mitbewerber Commercial Connect LLC ein IRP-Verfahren (Independent Review Process) eingeleitet mit dem Ziel, die Internet-Verwaltung von der Delegierung und Unterzeichnung des Registry-Vertrages abzuhalten.

In dem Eilantrag erhebt Commercial Connect den Vorwurf, dass ICANN in mehrfacher Hinsicht gegen die eigenen Statuten, das Bewerberhandbuch, die Vergabebedingungen für Top Level Domains sowie nationales und internationales Recht verstoßen hat. So habe unter anderem die Economist Intelligence Unit, die über die Community-Bewerbung von Commercial Connect negativ entschieden habe, rechtswidrig eigene Verfahrensregeln entwickelt. Ob GMO trotz eines Höchstgebots von US$ 41.501.000,– nun ernsthaft um .shop fürchten muss, gilt als eher unwahrscheinlich. Dessen ungeachtet wird sich der Start der Registrierung aber auf jeden Fall verzögern; bisher sahen die inoffiziellen Planungen vor, dass .shop Anfang 2017 mit der Live-Phase beginnt.

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09
Feb 2016
von RA Florian Hitzelberger

Die Internet-Verwaltung ICANN hat einen neuen Chief Executive Officer (CEO): der Schwede Göran Marby folgt auf Fadi Chehadé, dessen Amtszeit auf eigenen Wunsch vorzeitig am 15. März 2016 endet.

Göran wer? Das dürften sich viele gefragt haben, als ICANN am 8. Februar 2016 der Öffentlichkeit mitteilte, einen neuen CEO gefunden zu haben. Dabei ist Marby kein unbeschriebenes Blatt. Geboren am 22. März 1963 in Gothenburg, studierte er zunächst Wirtschaft der dortigen Universität. Nach zweijähriger Tätigkeit bei Cisco Systems folgten Tätigkeiten als CEO bei Cygate AB und Appgate Network Security. 2009 berief ihn die schwedische Regierung zum Generaldirektor der »Swedish Post and Telecom Authority« (PTS). Mit dieser Tätigkeit erlangte er grössere Bekanntheit, auch wenn er sich manches davon wohl gern erspart hätte: so wurde Marby im Juni 2015 von mehreren Telekommunikationsunternehmen scharf für seinen unprofessionellen so wie autokratischen Führungsstil kritisiert. Dennoch beschloss die schwedische Regierung, den ursprünglich bis 31. Dezember 2015 befristeten Vertrag um drei Jahre bis 31. Dezember 2018 zu verlängern. Positiv zu vermerken ist, dass die PTS unter der Leitung von Marby als eine der modernsten Behörden ausgezeichnet wurde. Privat ist Marby verheiratet und hat drei Kinder.

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich Dr. Stephen Crocker, Chair des ICANN Board of Directors, hocherfreut. Nach einer extensiven, weltweiten Suche nach einem Nachfolger für Fadi Chehadé habe Marby durch seine Wertvorstellungen, seine operative Erfahrung und sein Verständnis für das Ökosystem des Internets überzeugt. Seine Erfahrung sei von unschätzbarem Wert für die Internet-Verwaltung auf ihrem Weg, das nächste Kapitel aufzuschlagen. Schon bei seiner Tätigkeit für die PTS hat Marby eng mit internationalen Organisationen und Standardisierungseinrichtungen zusammengearbeitet. Er selbst betonte, sich auf die Zusammenarbeit mit der »multistakeholder community« zu freuen und sich ihr gegenüber verpflichtet zu fühlen, sowohl im Hinblick auf die IANA-Transition als auch Myriaden anderer Gebiete der Policy-Entwicklung, um die Mission ICANNs zu erfüllen. Derzeit lässt sich nur vermuten, dass Marby damit einen eher technokratischeren, regulatorischeren Weg einschlagen will als dies noch Chehadé getan hat.

Ganz nahtlos erfolgt der Führungswechsel nicht. Während Chehadé mit Ablauf des 15. März 2016 aus seinem Amt scheidet, tritt Marby sein Amt erst im Mai 2016 an. Bis dahin wird Akram Atallah, Präsident von ICANNs Global Domains Division, zum wiederholten Mal als Interims-CEO fungieren. Die Zwischenzeit nutzt Marby offenbar auch für seinen Umzug nach Los Angeles; derzeit wohnt er noch in Stockholm. Für das nötige Kleingeld dürfte ICANN sorgen; Chehadé erhielt für seine Tätigkeit ein Jahresgehalt von US$ 560.000,– zuzüglich Boni-Zahlungen von bis zu US$ 240.000,–.

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08
Feb 2016
von RA Daniel Dingeldey

Das kommende ICANN-Meeting findet im März in Marrakech statt, Aufgrund erhöhter Sicherheitsvorkehrungen wird das 55. ICANN-Meeting etwas unbequemer. Das 56. Meeting hingegen findet wegen Virus-Gefahr nicht in Panama statt.

ICANN sorgt beim kommenden Meeting in Marrakech (Marokko), vom 05. bis 10. März 2016, für mehr Sicherheit. Teilnehmer müssen sich mit Metalldetektoren, der Durchsuchung von Taschen und der Überprüfung von Ausweisen und Pässen anfreunden, um vor Ort in Marrakech dabei zu sein. Die marokkanischen Behörden werden verstärkt die Anmeldungen der Teilnehmer überprüfen. Die Fernteilnahme via Internetstreams bleibt aber als entspannte Option erhalten. ICANNs Meeting-Verantwortlicher Nick Thomas erklärte, man stehe in ständiger Kommunikation mit dem Gastgeber und der marokkanischen Regierung, um notwendige Sicherheitsvorkehrungen einzuschätzen; ein weltweit agierendes Sicherheitsberatungsunternehmen steht ICANN beratend bei. Bisher komme man zu dem Ergebnis, dass die Risiken eines terroristischen Anschlags gering seien. Die britische Regierung hingegen ist der Ansicht, dass das Anschlagsrisiko in Marokko hoch ist; während die US-amerikanische Regierung die Lage nicht so kritisch einschätzt und empfiehlt, als Reisender in Marokko sich möglichst unauffällig zu bewegen.

Wie auch immer, das 55. ICANN-Meeting findet vom 05. bis 10. März 2016 in Marrakech (Marokko) statt; anders als das im Sommer anstehende 56-Meeting, das in Panama stattfinden sollte, aber jetzt wegen der Risiken des Zika Virus verlegt wird – ein neuer Ort steht noch nicht fest. Die Teilnahme ist wie üblich kostenlos.

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Stand: 01. Februar 2016