Safe Habor

DENIC eG wird Registrar Data Escrow für ICANN

Die deutsche Domain-Verwaltung DENIC hat sich bei der Internet-Verwaltung ICANN als »Third Party Provider for Registrar Data Escrow« (TPP RDE) akkreditieren lassen.

Bei Data Escrow handelt es sich im Kern um eine treuhänderische Hinterlegung von Daten und Informationen bei einem Dritten. In einem Fehlerfall (wie zum Beispiel der Insolvenz einer Registry) soll die Geschäftstätigkeit mittels der hinterlegten Domain-Daten durch eine unabhängige Partei fortgeführt werden können. ICANN schreibt daher allen akkreditierten Registraren und Registries vor, dass sie die Datensätze der von ihnen verwalteten gTLD-Domains regelmäßig bei einem solchen unabhängigen Escrow Provider hinterlegen. Mit dem neuen Service bietet DENIC gTLD-Registraren, vor allem solchen mit Sitz in Europa, eine Lösung, um ihrer Escrow-Pflicht nach der Ungültigkeit des Safe-Harbor-Abkommens innerhalb des europäischen Rechtsrahmens gerecht zu werden.

nTLDs

Keine Vorteile beim Google-Ranking

Der weltweit führende Suchmaschinenbetreiber Google ist erneut Meldungen entgegengetreten, wonach die Nutzung von neuen globalen Top Level Domains Vorteile beim Ranking bringt. Im Gegenteil könnte ein Wechsel erhebliche Risiken in sich bergen.

Seit die ersten Berichte über die geplante Einführung von neuen Domain-Endungen auftauchten, kam es zu Spekulationen, ob und wie sich diese für eine »Search engine optimization« (SEO) nutzen ließen. Lohnt sich also die Registrierung von nTLDs, um Vorteile im Google-Ranking zu erlangen? Google selbst gab dazu am 21. Juli 2015 eine klare Antwort: in einem Artikel bei Google-Plus antwortete John Mueller, Webmaster Trends Analyst bei Google:

Overall, our systems treat new gTLDs like other gTLDs (like .com & .org). Keywords in a TLD do not give any advantage or disadvantage in search.

Selbst für .brands schloss Mueller Vorteile im Ranking gegenüber anderen generischen Endungen aus. Dennoch wollten Gerüchte nicht verstummen, wonach nTLDs gleichwohl zu einer besseren Platzierung führten; vor allem das Wort »overall« in Muellers Antwort ließ Spielraum für Interpretationen.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte nun die zu Demand Media gehörende Rightside Group Ltd. einen Bericht, der anhand der Adresse jacksonville.attorney darzulegen versuchte, dass nTLDs eine Vielzahl von Vorteilen bei der Generierung von Traffic mit sich bringen, vor allem wenn Schlüsselwörter verfügbar sind. Dem widersprach jedoch Mueller in einem erneuten Artikel, den er über Google-Plus veröffentlichte. Wörtlich schrieb Mueller:

Every now and then I see a new post (sometimes sponsored posts!) suggesting that migrating a site to a keyword-TLD will improve search rankings: that’s not the case.

Im Gegenteil warnt er vor einem leichtfertigen Wechsel:

Changing domain names isn’t trivial, there’s a lot of work involved. I don’t recommend doing that for vague promises.

Für Mueller scheint zu sprechen, dass im Fall von jacksonville.attorney der Wechsel der Domain nur einer von mehreren Faktoren war, um bessere Suchergebnisse zu generieren; so wurde zusätzlich die Website generalüberholt und mit frischen, aus Google-Sicht nützlichen Inhalten versorgt.

Kritiker weisen zudem immer wieder darauf hin, dass die Behauptung von SEO-Vorteilen lediglich dazu diene, die Verkaufszahlen von nTLDs anzukurbeln. Ganz fernliegend ist das nicht, betreibt Rightside doch beispielsweise die Endungen .attorney, .lawyer, .ninja und .rocks. Demgegenüber macht Google von unternehmenseigenen Endungen wie .chrome, .gmail oder .youtube bisher praktisch keinen Gebrauch. Ob sich daher etwas ändert, wenn Google offensiv mit seinen Endungen am Markt auftritt, lässt sich aktuell nicht vorhersehen.

nTLDs-Sunrise

Die Sunrise-Starts im Juni und Juli 2016 und darüber hinaus

Im Juni findet mit .shop noch ein Sunrise-Neustart statt. Danach bleibt es spärlich, aber mit .zuerich ist der erste Start für 2017 angekündigt.

Vier Endungen stehen derzeit noch in der Pipeline für die kommende Monate. Vereinzelt werden sicher weitere dazukommen. Zwischendurch hat .motorcycles seine Sunrise bis 14. August 2016 verlängert (oder im Trademark Clearinghouse standen falsche Daten, als wir zuletzt reingeschaut hatten).

Als nächste steht die Endung .shop am Start, die sicher furore machen wird, wahrscheinlich mehr als .vip, die unerwartet viel Zuspruch erfährt. Der Startschuss fällt am 30. Juni 2016. Danach startet im Juli 2016 die Sunrise von .storage, gefolgt von .quest im August 2016. Überraschenderweise meldet sich schon jetzt .zuerich zu Wort, deren Sunrise-Start für den 04. April 2017 angekündigt ist.

Unsere Liste der Sunrise-Starts:

Donnerstag 30. Juni 2016
.shopGMO RegistrySunrise bis 29. August 2016
Dienstag 05. Juli 2016
.storageSelf Storage Company LLCSunrise bis 30. August 2016
Montag 01. August 2016
.questQuest ION LimitedSunrise bis 31. August 2016
Dienstag 04. April 2017
.zuerichKanton ZürichSunrise bis 05. Juni 2017

Zur Zeit laufen folgende Sunrise Periods:

.닷넷 (.net)VeriSign SarlSunrise bis 19. Juni 2016
.닷컴 (.com)VeriSign SarlSunrise bis 19. Juni 2016
.tubeLatin American Telecom LLCSunrise bis 20. Juni 2016
.medMedistry LLCSunrise bis 24. Juni 2016
.moiAmazon EU S.à r.l.Sunrise bis 15. Juli 2016
.vivaSaudi Telecom CompanySunrise bis 27. Juli 2016
.stcSaudi Telecom CompanySunrise bis 27. Juli 2016
.stcgroupSaudi Telecom CompanySunrise bis 27. Juli 2016
.motorcyclesDERMotorcycles, LLCSunrise bis 14. August 2016

Informationen zu den Services des Trademark Clearinghouse (Sunrise Service, Claim Service) finden Sie im Whitepaper der united-domains AG. Beim Domain-Spezialisten united-domains AG können Sie auch Ihre Marke zum Trademark Clearinghouse und danach Domains für die Sunrise Periods anmelden. domain-recht.de ist ein Projekt von united-domains.de.

.brand

Marken-Top Level Domains stehen hinter den Erwartungen zurück

Guillaume Pahud hat sich den Umgang von Unternehmen mit ihren .brand-Endungen angeschaut. Er findet dabei wenig Enthusiasmus und konzentriert sich auf die positiven Effekte, die die wirklichen .brand-Nutzer für ihre Endung in Pressemitteilungen formulieren.

Von den 1.930 Bewerbungen um neue Domain-Endungen im Jahr 2012 richteten sich 675 auf .brands, Bewerbungen um Markenendungen von Unternehmen wie .audi oder .canon. Vier Jahre später sind lediglich ein Drittel der .brands überhaupt aktiv: Rund 200 der .brand-Endungen weisen Second Level Domains auf, aber nur wenige werden tatsächlich genutzt. Andere .brands wurden zurückgezogen oder aus dem Root wieder entfernt, nachdem die Inhaber für ihre Endung keinen Sinn erkannt haben. Laut Guillaume Pahud haben bisher lediglich zehn Unternehmen ihr Hauptangebot auf ihre .brand gelegt. Die meisten anderen nutzen die Endungen lediglich für Weiterleitungen oder Mini-Seiten. Doch sieben derer, die ihre .brand verstärkt nutzen, teilten die (erhofften) Vorteile der neuen Endungen in Pressemitteilungen mit. Es handelt sich um Barclays und Barclaycard, Bradeso, Pictet, Sandvik, Weir, Canon und Sener, die sich Innovation, Sicherheit, positive Kundenerfahrungen und ein besseres Branding erhoffen. Davon sieht man freilich bisher nichts, und Erfahrungsberichte gibt es keine.

Genau die erhofften Vorteile der neuen Marken-Endungen waren schon 2012 wesentlicher Anreiz für die Bewerbung um die neuen Top Level Domains, neben der Angst vor der Markenkonkurrenz, die schneller sein könnte. Technisch innovativ sollten diese .brands werden, die Marke stärken, den Kunden Sicherheit und positive Erfahrungen geben und so weiter. Doch bisher sind die Betreiber von .brand-Endungen die Verwirklichung dieser Visionen sich selbst schuldig geblieben. Die derzeit aktiven .brand-Unternehmen vermitteln ihren Kunden zumindest das Gefühl, bei Aufruf der .brand auf der richtigen Seite zu sein, was der Sicherheit und dem Branding dient. Doch selbst .barclays weist den Nutzer auf eine .de-Domain weiter, wenn es um die Barclaycard geht. Das alles ist nur ein sehr geringer Teil dessen, was die neuen .brand-Endungen den Betreibern ermöglichen, und nicht viel von dem, was mit den neuen Endungen kommen sollte. Um die Hoffnungen von 2012 zu verwirklichen, müssten .brand-Betreiber ihre Endungen tatsächlich aktivieren – je früher, desto besser.

nTLDs

.brand-Registry Bharti Airtel Limited weigert sich, ICANN-Gebühren zu zahlen

Bharti Airtel Limited, in Indien ansässige Verwalterin der neuen Top Level Domain .airtel, geht auf Konfrontation mit ICANN: aus nicht näher genannten Gründen verweigert das Unternehmen die Zahlung der so genannten »quarterly fee« für Registries in Höhe von US$ 6.250,–.

Doch nicht nur das, sogar eine Kontaktaufnahme erweist sich als schwierig:

»ICANN notes that Bharti Airtel exhibits a pattern of non-response to ICANN Contractual Compliance matters and, when responses are provided to ICANN, they are often untimely and incomplete.«

Mit betroffen ist davon die Endung .bharti; beide nTLDs gehören zum indischen Telekommunikationsunternehmen Bharti Airtel, das für 2012/2013 einen Umsatz von ca. EUR 6,5 Mrd. vermeldet; am Geld sollte es also nicht scheitern. ICANN hat den Verstoß am 6. Juni 2016 zunächst abgemahnt; sollte binnen 30 Tagen keine Zahlung erfolgen, droht die Kündigung des Registry-Vertrages. Für Domain-Inhaber besteht kein Anlass zur Sorge: da beide Endungen als so genannte .brands betrieben werden, ist eine allgemeine öffentliche Registrierung ohnehin ausgeschlossen – über die obligatorische nic.airtel bzw. nic.bharti sind keine Domains vergeben.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Seite 1 von 395
Top