23
Jan 2009
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von RA Florian Hitzelberger

Welche Chancen bieten neue Top Level Domains den Unternehmen? Und was müssen die Inhaber von Kennzeichenrechten tun, um ihre Identitäten zu schützen? Mit diesen Fragen befasst sich der Buchautor und Namensexperte Naseem Javed in einem Artikel für das Online-Magazin ecommercetimes.com, und plädiert für neue Cybermarken unter eigener Top Level Domain.

Nur wenige warme Worte spendete die US-Regierung bisher den Plänen von ICANN, zahlreiche neue Top Level Domains zuzulassen. Zuletzt hagelte es zudem harsche Kritik von internationalen Weltkonzernen wie Microsoft, Time Warner oder AT&T. Für Javed, der mit der New Yorker ABC Namebank ein Beratungsunternehmen für die Namenswahl betreibt, bieten neue Endungen dagegen weit mehr Chancen als Risiken: Javed sieht in ihnen “Kraftwerke” für das “cyber-age-branding” und ahnt dramatische Änderungen im Global Branding voraus. Zwar seien klassische Bezeichnungen wie “Sony”, “Panasonic” oder “Rolex” aufgrund ihrer Singularität weitgehend gefeit gegen neue Endungen; wer jedoch Wörter wie “United”, “National”, “Eastern”, “Central”, “General”, “Pacific”, “Dynamic” oder “Quantum” im Namen führt, sollte sich eine Strategie zurecht legen, wie er mit den neuen Endungen umgeht; so kann er sich damit von Namensgleichen oder -ähnlichen absetzen oder verhindern, dass die eigene Bezeichnung (weiter) verwässert wird.

Nach Einschätzung von Javed gehen die aktuellen Entwicklungen gleichwohl an vielen Markeninhabern vorbei; nur wenige wissen, dass – nach bisherigen Ankündigungen – bereits ab Mitte 2009 neue Endungen zur Verfügung stehen und sie selbst so vor neue Herausforderungen stellen. Dabei verschafft ihnen eine eigene Endung ungeahnte Macht: wer unter .dubai, .hotel, .arabian, .ibm, .sony oder .casino im Internet auftritt, hat dieses Suffix weltexklusiv und kann damit nicht nur neue Marken aufbauen, sondern auch Nischen besetzen. Die mit einer Bewerbung verbundenen Kosten von derzeit mindestens US$ 185.000,– sind laut Javed überschaubar – jedenfalls im Vergleich zu den Kosten, die sonst durch Werbung oder Markenstreitigkeiten vergeudet würden.

Wer derzeit eine Marke innehat, muss sich drei Fragen stellen: was sind die derzeitigen und künftigen Bedrohungen durch neue TLDs für die jetzige Markenidentität? Welche Optionen hat man für einen teilweise oder vollständigen Namenswechsel? Und unter welchen Regelungen oder Gesetzen für “Corporate Naming” finden sie die für sich am besten geeignete Lösung? Zugegeben, für Klein- und Mittelständler ist die eigene Domain-Endung eine Illusion; wenn jedoch die ersten Angebote unter .ibm oder .bmw auftauchen, dürfte es nicht lange dauern, bis die Konkurrenz nachzieht.

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