20
Jul 2011
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von RA Florian Hitzelberger

Zur domainspezifischen Zangengeburt könnte sich die Gründung von Südsudan entwickeln: die Zuteilung des gewünschten Kürzels .ss gilt als politisch heikel. Im sehr viel älteren Ungarn arbeitet man dagegen bereits an einer nutzerfreundlicheren Endung, während .eu einen Stresstest bestanden hat – hier unsere Kurznews.

Eine neue Nation ist geboren, doch mit der eigenen Top Level Domain hakt es: die am 9. Juli 2011 in die Unabhängigkeit vom Sudan entlassene afrikanische Republik Südsudan stösst mit ihrem Wunsch auf Zuteilung des Kürzels .ss auf historische Widerstände. Zu nah und zu frisch scheint die Erinnerung an die nationalsozialistische Schutzstaffel, als dass eine Zuteilung Erfolg haben könnte. Alternativen sind rar: .rs für Republik Südsudan ist bereits von Serbien belegt, .sn vom Senegal. Dessen ungeachtet ist aktuell Fakt, dass sich die für Domain-Endungen zuständige IANA an der Standard 3166-1-Liste der International Organization for Standardization (ISO) orientiert, in die .ss noch nicht eingetragen ist. Es liegt daher vorrangig an den Vereinten Nationen, über den Wunsch zu entscheiden; ob sich IANA dem dann entzieht, bleibt abzuwarten. Vorläufig sind Registrierungen jedenfalls nicht möglich.

Ungarn verbessert die Wettbewerbsfähigkeit seiner Länderendung .hu: veröffentlichte die Registry Nic.hu bisher die gewünschten Domains vor der Freischaltung für 14 Tage auf seiner Website, um die Möglichkeit zu schaffen, Einwendungen zu erheben, sollen sie künftig ab sofort online erreichbar sein. Der Unterschied zu markenrechtsbasierten Anmeldungen, die eine schnelle Bearbeitung gewährleistete, fällt somit weg. Allerdings veröffentlicht Nic.hu auch weiterhin alle eingehenden Registrierungen, wobei Markenrechtsinhaber künftig 8 statt bisher 14 Tage Zeit haben, diese vor einem Schiedsgericht anzugreifen. Die Kosten dieses besonderen Verfahrens liegen bei etwa EUR 150,- und sind von der unterlegenen Partei zu tragen. Die Änderungen gelten seit dem 1. Juni 2011 und sind somit bereits in Kraft getreten.

Ein Stresstest für Banken, ein Stresstest für Atomkraftwerke, ein Stresstest für Bahnhöfe – es war nur eine Frage der Zeit, bis auch der erste Domain-Stresstest durchgeführt wird. EURid, der in Brüssel ansässigen Verwaltung der Europa-Domain .eu, gebührt die Premiere – und die verlief erfolgreich: Der so genannte “disaster recovery plan” bestand während einer Übung den von der bereits für die Validierung von Sunrise-Domains zuständigen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers überwachten Test. Teil des über zweistündigen Tests war es, Daten von Brüssel in ein alternatives Datenzentrum in Amsterdam zu übermitteln; dabei erwiesen sich laut EURid die Back-Up-Systeme als robust. Selbst im Katastrophenfall, der für eine Domain-Verwaltung im Zweifel schon mit einem mehrstündigen Stromausfall beginnt, kann EURid also seinen Betrieb aufrechterhalten.

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