21
Jan 2009
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von RA Florian Hitzelberger

Dass die reale Welt auch auf die virtuelle Welt Einfluss nimmt, zeigt eine Meldung aus Israel, wonach ein Domain-Registrar ins Fadenkreuz der kriegerischen Auseinandersetzungen gerückt ist. Vergleichsweise Harmloses gibt es von .nl und der Bewerbung um die Städte-Domain .london zu berichten.

Der Gaza-Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas soll nun auch im Domain Name System Spuren hinterlassen haben: nach einem Pressebericht des israelischen Online-Magazins ynetnews.com ist eine islamistische Hackergruppe namens “Team Evil” von Marokko aus in das System des israelischen Registrars DomainTheNet eingedrungen und hat diverse Domains “entführt” und den Besucherstrom auf antiisraelische Webseiten umgeleitet; die Internetangebote selbst wurden nicht manipuliert. Laut ynetnews.com soll es den Hackern gelungen sein, ein Passwort zu knacken, um so die IP-Adresseinstellungen zu ändern. DomainTheNet will nach eigenen Angaben weitere Angriffe abgewehrt haben; da DNS-Updates jedoch mehrere Stunden dauern können, kann es noch zu Störungen kommen. Andere Domain-Registrare waren von diesem Hackerangriff bisher offenbar nicht betroffen.

Die holländische Domain-Verwaltung SIDN warnt die Inhaber einer .nl-Domain vor eMails des Unternehmens coweto.nl. Nach Angaben von SIDN hat sich dieses Unternehmen an Domain-Inhaber gewandt, um eine “Websteuer” zu erheben. Nach mehreren Kundenbeschwerden hat sich SIDN an die Handelskammer und Steuerbehörden gewandt; von dort hat man mitgeteilt, dass man in keinerlei Verbindung mit coweto.nl steht. SIDN warnt daher alle Internetnutzer ausdrücklich, Zahlungen zu tätigen; die Domain coweto.nl ist inzwischen nicht mehr erreichbar.

Die Zahl der Bewerber um eine Städte-TLD ist um eine Initiative reicher: nach beispielsweise .berlin, .hamburg, .pdx, .bcn (Barcelona) oder .paris wirft auch London den Hut in den Ring. Unter der Bezeichnung “A Domain For London” kündigt eine Gesellschaft in Kooperation mit dem Registrar Com Laude an, dass London und die Londoner mit der neuen Endung .london eine eigene Top Level Domain verdient hätten. An diversen ICANN-Meetings zur Vorstellung dieser Pläne hat man offensichtlich bereits teilgenommen, einschließlich der Eintragung einer Marke “Dot London”. Obwohl man von konkreten Vergaberegelungen noch weit entfernt ist, soll .london Personen, Unternehmen, Organisationen und Behörden offenstehen, die den Nachweis einer Verbindung mit London erbringen können. Zum Schutz der Inhaber von Kennzeichenrechten denkt man über eine Sunrise Period und Streitschlichtungsregelungen nach; an weiteren Details will man nun erst einmal arbeiten.

Ein BBC-Video zu .london findet man hier.

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