03
Jun 2004
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von RA Florian Hitzelberger

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) steht erneut im Kreuzfeuer der Kritik: sollte der für das Haushaltsjahr 2004/2005 vorgestellte Etat verabschiedet werden, droht nach Ansicht von Kritikern vielen kleinen Registraren unausweichlich das wirtschaftliche Aus.

Geht es nach dem Willen von ICANN, verdoppelt sich der Haushalt von derzeit US$ 8,7 Mio. auf fast US$ 16 Mio. Die Finanzplanungen stützen sich dabei verkürzt dargestellt auf eine Erhöhung der jährlichen Registrargebühr von US$ 5.000,– auf dann etwa US$ 24.000,– sowie eine Erhöhung der Domain-Gebühr um US$ 0,25 pro verkaufter Adresse. Nach Einschätzung der neu ins Leben gerufenen Protest-Website icannbudget.org hätten diese Erhöhungen im Wesentlichen vier negative Auswirkungen: während grössere Registrare ihre Gebühren stabil halten können, wird es für Kunden mittlerer und kleinerer Anbieter zum Teil erheblich teurer. Registrare mit bis zu 1.000 verwalteten Domains sollen demnach US$ 19,– pro Domain mehr zahlen müssen, große Anbieter mit über 50.000 Domains dagegen lediglich US$ 0,38 mehr. Umso grösser wird daher auch die Ersparnis für die großen Registrare. Die erhöhte Registrargebühr erschwert zusätzlich die Neugründung von Registraren und damit den Wettbewerb. Und schliesslich prognostiziert man auch den Tod von nationalen Domain-Registraren, die sich – über ihre nationalen Domain-Verwaltungen – die hohen ICANN-Gebühren nicht leisten können.

Im Einzelnen ist vieles äusserst umstritten, und ob Domains tatsächlich spürbar teurer werden, gilt als eher unwahrscheinlich. Ein Kommentator des Online-Magazins theregister.co.uk begrüsste den Haushaltsplan sogar ausdrücklich als Schritt hin zu einer Professionalisierung ICANNs. Scharfe Kritik am Haushaltsplan kam dagegen von CENTR (Council of European Top Level Domain Registries), zu dessen Mitgliedern auch die deutsche DENIC zählt. Der Vorsitzende Paul Kane bezeichnete die von ICANN eingeplanten Zahlungen der ccTLD-Verwaltungsstellen als unrealistisch und überzogen, und forderte erneut die Besinnung ICANNS auf die technischen Kernaufgaben.

Welchen Ausgang die Debatte nimmt, ist noch unklar. Der Machtkampf um die Zukunft ICANNs, für deren Wachablösung die International Telecommunication Union (ITU) seit langem bereit steht, tobt jedenfalls unvermittelt weiter.

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