Ron Jackson, Betreiber des Blogs dnjournal.com, fragte – wie alle Jahre – Experten aus der Domain-Industrie nach deren Beurteilung von 2025 und was 2026 zu erwarten steht. Die vorrangigen Themen der diesjährigen Befragung sind wieder AI, .ai sowie .com – und natürlich die ICANN-Bewerbungsrunde um neue gTLDs. Man blickt weiterhin optimistisch in die Zukunft.
Ron Jacksons dnjournal.com widmet sich ganz dem Handel mit Internetdomains, listet vierzehntägig die Preise von verkauften Domains und berichtet darüber hinaus täglich, was in der Domain-Industrie vor sich geht. Die Befragung von Experten zum Stand der Branche nimmt Jackson seit 22 Jahren zu Anfang eines jeden Jahres vor. Die diesjährige Befragung von diesmal 29 Expert*innen spricht von einem erfolgreichen Jahr 2025 und einer weiteren Verbesserung des Marktes in 2026. Die für den The State of the Industry-Report Befragten rekrutieren sich aus Investoren, Brokern und Entwicklern.
Wie von den Fachleuten vor einem Jahr prognostiziert, wurde AI nicht nur maßgebend für Entwicklungen in 2025, sondern auch die Endung .ai erfüllte die Erwartungen. Einerseits hatte AI Einfluss auf das Verkaufsvolumen, da viele Unternehmen in die AI-Branche einstiegen und hoher Bedarf an .ai-Domains herrschte. Laut Braden Pollock (Legal Brand Marketing) gingen 2025 etwa die Hälfte aller Risikokapitalfinanzierungen in den USA an AI-Unternehmen, was die Domain-Verkäufe für .com, .ai und andere TLDs stützte und die .ai-Preise hochtrieb. Im Grunde sind sich allerdings alle einig, dass AI-Unternehmen, wenn erst das Kapital stimmt, auf eine .com-Domain umsteigen wollen, idealerweise unter Beibehaltung auch der .ai-Domain. In Folge dessen werden die Preise von Premium-.com-Domains weiter steigen. Broker rechnen – zumindest zu Anfang 2026 – mit einigen 7- bis 8-stelligen .com-Verkäufen. Für Domain-Investor Mike Mann hat .ai seinen Preiszenit bereits erreicht und steht auf dem absteigenden Ast. Sekundiert wird dies von Mark Ghoriafi (Sedo), für den klar ist, dass AI bald ein so allgemeines Feature ist, dass es der Endung .ai als beschreibendes Merkmal gar nicht mehr bedarf.
AI sorgt zugleich für einen Wandel bei der Domain-Bewertung: Chat Folkening berichtet aus eigener Erfahrung, wie sein Unternehmen eCorps in wenigen Wochen mit AI-Werkzeugen ein AI-Werkzeug unter einer .com-Domain entwickelte, mit dem Erfolg, dass sich nicht mehr die Frage nach dem Wert einer Domain stellt, sondern danach, was sie bereits leistet. Während man sich bei Dynadot um die Verbesserung des AI-gestützten Bewertungssystems bemüht, halten einige Experten wie Mike Mann an traditionellen Domain-Bewertungsverfahren fest und lehnen AI-gesteuerte Systeme als schädlich und unangemessen ab, da der Teamansatz wirklicher Menschen notwendig sei, um Verzerrungen zu auszuräumen.
Ebenfalls Thema war die kommende ICANN-Bewerbungsrunde um nTLDs, von der die Fachleute eine erhebliche Änderung des Marktes erwarten. Die neuen Endungen, von denen die ersten frühestens 2027 den Markt betreten, lenken – aus Sicht von Sandeep Ramchandani – den Blick auf nTLDs der ersten Einführungsrunde. Viele neue gTLDs befinden sich noch in einem frühen Stadium ihres Lebenszyklus; Endungen wie .store, .tech, .online, .site und .fun haben erhebliches Wachstumspotenzial. Für Simone Catania (InterNetX), der einige Höhepunkt von 2025 beschreibt, stellt die nächste ICANN-Runde für gTLDs die größte Chance dar: Der kommende Global Domain Report 2026 von Sedo und InterNetX werde sich damit näher beschäftigen. Die zweite Bewerbungsrunde nach 2012 wird allerdings nichts daran ändern, dass letztlich die eigene Premium-.com-Domain Ziel eines jeden online-orientierten Unternehmens ist.
Weitere angesprochene Themen sind der Wandel der Monetarisierung aufgrund der Einstellung von »Google AdSense for Domains (AFD)« im Februar 2026 sowie Geschwindigkeit, da KI die Unternehmensgründung beschleunigt und Unternehmen schneller als je zuvor Geld beschaffen und um Aufmerksamkeit konkurrieren müssen. Unternehmen werden, meint Munir Badr (Domain Days Dubai), um Vertrauen bei Mitarbeitern und Verbrauchern zu erlangen, sinnvollerweise in regionale Geschäfte und damit in ccTLDs investieren, womit der Markt für Länderendungen einen Schub erfährt. Auch Web3 wird hier und da angesprochen, wobei besonders im Hinblick auf die ICANN-Bewerbungsrunde mit zahlreichen Bewerbungen um Web3-orientierte Endungen wie .coin gerechnet wird, wie überhaupt mit einer größeren Beteiligung als in der Bewerbungsrunde 2012 gerechnet wird. Wie alle Jahre, wird auch 2026 für die Domain-Industry ein spannendes Jahr werden. Die Erwartungen sind hoch, und wir zweifeln nicht daran, dass sie auf überraschende Weise erfüllt werden.