Ein neuer Frühwarnbericht der US-amerikanischen Early Warning LLC soll Bewerbern um eine neue generische Top Level Domain helfen, die Risiken ihrer Bewerbung besser einzuschätzen. Das Programm setzt vor allem auf Eigeninitiative.
Nach einem Bilderbuchstart nimmt die Internet-Verwaltung ICANN seit dem 30. April 2026 Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain entgegen. Wer sich um welche Endung bewirbt, ist öffentlich bisher kaum bekannt. Es besteht auch keine Eile zur Offenlegung; während der gesamten Bewerbungsphase und damit bis zum 12. August 2026 gilt der Grundsatz des »first come, first served« nicht, es hat also keinen Einfluss auf die Bewerbung, ob man zu den ersten Bewerbern zählt oder zu den letzten. Diese Unsicherheit erhöht für viele potentielle Interessenten das Risiko einer eigenen Bewerbung; gerade Unternehmen wüssten zu gerne, was die Konkurrenz plant – oder eben nicht. Hier setzt der »Early Warning Report« der Early Warning LLC an. Das Unternehmen mit Sitz in Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) verspricht Informationen und Kontakte, um unnötige Kosten zu vermeiden. Die Plattform ermöglicht es Bewerbern (und potenziellen Bewerbern), ihre gewünschten Domain-Endungen einzugeben und benachrichtigt zu werden, wenn diese mit den Endungen anderer Nutzer der Plattform übereinstimmen. Damit wissen sie schon lange vor offizieller Bestätigung durch ICANN, ob sich ein anderes Unternehmen für dieselbe Zeichenkette beworben hat oder bewerben will– vorausgesetzt, es hat sein Interesse ebenfalls bei der Early Warning LLC hinterlegt, denn Einsicht in die ICANN-Bewerberdatenbank hat auch dieses Unternehmen nicht. Wer sich hinter einer potentiellen Bewerbung verbirgt, wird schließlich erst offengelegt, wenn beide Bewerber zustimmen.
Die Preise für den Service beginnen bei US$ 1.000,– pro Zeichenkette. Zum Start gibt es ein Sonderangebot von US$ 100,– pro Zeichenkette, allerdings begrenzt auf maximal 100 Wunsch-Domains; der Einführungspreis ist zudem auf zehn Zeichenketten pro Nutzer begrenzt. Sollte die Datenbank nicht auf mindestens 200 freiwillige Einträge kommen, werden alle Gebühren erstattet. Diese Kosten können sich gleichwohl auszahlen, denn das Bewerberhandbuch verbietet private Auktionen; gibt es also Mehrfachbewerbungen um dieselbe Zeichenkette, kann ein Bewerber zwar seine Wunsch-Domain freiwillig wechseln oder ein Joint Venture mit dem Mitbewerber eingehen; er kann sich aber die Bewerbung nicht von der Konkurrenz abkaufen lassen und damit aus einer möglicherweise aussichtslosen Rechtsstellung noch Profit schlagen.
Der »Early Warning Report« ist nicht das erste Dienstleistungsangebot rund um die Einführung neuer Top Level Domains. Branchenblogger Kevin Murphy (domainincite.com) hatte bereits im Frühjahr 2026 ein Online-Werkzeug namens »Stringtel« auf den Markt gebracht. Dort können die Nutzer nach Endungen (»Strings«) suchen; konkret geht es um das Risiko, dass die von ihnen ausgewählten gTLD-Strings im Bewerbungsverfahren gesperrt werden oder während des Bewerbungsprozesses zusätzliche Kosten entstehen. Zugleich kann Stringtel dabei helfen, potenziell wertvolle, noch nicht vergebene Strings zu entdecken. Das Ziel des Angebots ist es ebenfalls, Bewerbern dabei zu helfen, die Verschwendung von zehn- oder hunderttausenden US-Dollar für ungeeignete Bewerbungen zu vermeiden. Das Tool ist zwar kostenlos, aber nicht umsonst, denn die Nutzer zahlen mit ihren Daten. Die wiederum nutzt Murphy für sich und prognostiziert, dass es mindestens 100 Bewerbungen um eine nTLD geben wird:
DI’s free risk analysis tool, Stringtel, currently has more than 100 announced applications in its database.
Darunter befinden sich Markenendungen wie .salesforce, vor allem aber Unternehmen aus dem Blockchain- oder Kryptowährungsbereich; für letztere gibt es Dutzende angekündigter Gebote, ohne dass jedoch klar ist, ob die Ankündigung umgesetzt wird. Murphy spricht auch von Bewerbungen um Domains in zukunftsträchtigen Branchen wie KI, Krypto oder Podcasting. Stringtel führt beispielsweise Einträge für Endungen wie .crypto, .agi, .podcast und .blockchain; einige weitere wie .chain und .anime sind bereits umkämpft. Genaueres wissen wir erst am »String Confirmation Day«, nach derzeitigem Stand also voraussichtlich am 28. Oktober 2026; dann wird ICANN die endgültige Bewerberliste veröffentlichen.