nTLDs

Die Radioendung .radio hat einen neuen Eigentümer

Bei der generischen Top Level Domain .radio zeichnen sich erhebliche Veränderungen ab. Wie sich der ICANN-Website entnehmen lässt, hat die European Broadcasting Union (EBU) ihre Rechte aus dem Registry-Vertrag mit Vereinbarung vom 05. Januar 2026 an die Digity LLC übertragen.

In der Datenbank der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) ist der Wechsel noch nicht vollzogen, auch unter nic.radio findet sich bisher noch der Hinweis »Managed by the European Broadcasting Union«. Die in Chicago (USA) ansässige Digity LLC hatte 2023 die Rechte an der Top Level Domain .case erworben und arbeitet mit der Londoner CentralNic als Backend-Provider zusammen, weitere Domain-Endungen verwaltet sie bisher nicht. Der Registry-Wechsel ist beachtlich, da die EBU bisher stets betont hatte, die Interessen der globalen Radio-Community zu vertreten. In einer Stellungnahme heißt es:

It is not in the public interest to see (dot-radio) managed as a generic TLD by a non-radio stakeholder with commercial interests.

Verlässliche Anzeichen dafür, dass mit dem Registry-Wechsel auch Änderungen in der Vergabe von .radio-Domains einhergehen, gibt es bisher nicht. Den Registrierungszahlen könnte frischer Wind nicht schaden: aktuell vermelden die Statistik-Experten von ntldstats.com lediglich rund 3.250 .radio-Domains.

ai.com-Deal

Der Mitbewerber bot dem Käufer US$ 500 Mio. und mehr

Wie vergangene Woche berichtet, zeigte sich, dass die Domain ai.com im April 2025 für US$ 70 Mio. in Bitcoin den Inhaber wechselte. Das brachte den Domain-Handel wieder einmal in das Wahrnehmungsfeld der allgemeinen Medien. Mittlerweile gibt es weitere Informationen um den Rekord-Deal.

Am ersten März-Wochenende 2025 war ein Artikel bei TheInformation.com erschienen mit der Überschrift: »AI.com Is for Sale. Asking Price? $100 Million«, und dnjournal.com berichtete wenige Tage danach darüber. Im April 2025 wurde die Domain sodann für US$ 70 Mio. in Bitcoin verkauft. Am 06. Februar 2026 machte der Käufer, Kris Marszalek (crypto.com), den Kaufpreis öffentlich. Grund dafür war, dem unter der Domain laufenden Projekt, für das beim Super Bowl zwei Tage später eine Werbung geschaltet war, frühzeitig Aufmerksamkeit zu bringen. Danach wurde auch der Name des Verkäufers bekannt, der ai.com gekauft hatte, weil die Domain seine Initialen A. I. wiedergibt. Es handelt sich um den 1983 geborenen malayischen »Technopreneur« Arsyan Ismail, der unter anderem sehr stark in Kryptowährungen engagiert ist. Die Abwicklung des Kaufes in Bitcoin zwischen ihm und crypto.com-Gründer Marszalek ist dann schlüssig. Nun gibt es das Gerücht, Arsyan hätte die Domain ai.com 1993 als Zehnjähriger für rund US$ 100,– gekauft. Ritu Singh führt in einem Artikel bei dem indischen Medienunternehmen NDTV (New Delhi Television) aus:

As it turns out, the domain was purchased by Arsyan in 2021 on the domain brokerage site SAW.com for an undisclosed amount. The previous owner of the domain was Future Media Architects, Inc, a holding company for domain names owned by Kuwaiti Thunayan Khalid Al-Ghanim.

Bei dem nicht offengelegten Betrag soll es sich, berichtet wiederum indiatimes.com, um US$ 10 Mio. handeln, die Arsyan 2021 für ai.com zahlte.

In einem am 07. Februar 2026 auf X geführten dreistündigen Gespräch zwischen »Domainer Expo«-Gründer Ish Milly und Domain-King Rick Schwartz fragt letzterer zum Thema ai.com:

How did the other CEOs miss it?

Zumindest gab es einen weiteren Interessenten an der Domain ai.com. Marszalek eröffnete im Gespräch mit John Coogan und Jordi Hays bei der Live-Tech-Talkshow TBPN (The Big Picture Network), nachdem er den Zuschlag für ai.com erhalten hatte, habe ihm der Mitbieter US$ 500 Mio. und mehr für die Domain geboten. Im Gespräch führt Marszalek weiter aus, er glaube, er hätte den Mitbieter auch auf US$ 1 Mrd. hochtreiben können, aber er sei ganz dem Produkt verpflichtet. Andererseits teilt Marszalek zu einem früheren Zeitpunkt im Gespräch mit, dass man bei crypto.com nach dem Kauf von ai.com lange Zeit überhaupt keine klare Produktidee für die Domain hatte. Das alles klingt widersprüchlich. Die Erkenntnis um den vermeintlichen Wert der Domain kam jedenfalls nicht nur dem Mitbieter etwas spät, wie sich der Frage von Schwartz entnehmen lässt. Wenn AI-Unternehmen Mitarbeiter für Milliardensaläre einkaufen können, dann ist auch der Preis von US$ 1 Mrd. für ai.com eigentlich kein Problem für diese Unternehmen. Nur hätten die CEOs früher darauf kommen müssen. Die Domain hat sicher einen hohen Wert, aber US$ 70 Mio. oder gar US$ 1 Mrd.? Ihr Wert ergibt sich nicht daraus, dass man eine »Brand«, eine Marke in Händen hält, sondern eine Zwei-Zeichen-Domain, die eine ganze Branche bezeichnet. Bietet ai.com mit seinem KI-Assistenten zur Unterstützung von Verbrauchern bei eMail, Terminplanung, Buchungen und Kündigungen von Abonnements und anderem das Produkt, das den Kaufpreis tatsächlich refinanzieren kann? Nach der Super Bowl Werbung brach die Website unter ai.com zusammen, aber es reichte für 300.000 Anmeldungen von Neukunden. Möglicherweise rechnet es sich – entgegen unserer früheren Vermutung – doch.

Regional Internet Registries

AfriNIC legt einen Haushaltsplan vor - die NRO den Entwurf eines RIR-Notverwaltungsplans

Das skandalgebeutelte African Network Information Centre (AfriNIC) ist auf dem Weg der Besserung: nachdem im Herbst 2025 ein Vorstand gewählt wurde, steht jetzt ein Haushaltsplan kurz vor der Verabschiedung. Doch bei der Netzverwaltung traut man dem Braten nicht.

Millionenschwere Klagen, Kontenpfändungen, ein Insolvenzverfahren, Unregelmäßigkeiten bei der Vorstandswahl, ein von der Regierung eingesetzter Sonderermittler und zuletzt ein Antrag auf Liquidierung – keine andere Regional Internet Registry (RIR) hat für eine vergleichbare Welle an Skandalen gesorgt wie AfriNIC. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es am 12. September 2025, die insgesamt acht Vorstandsmitglieder zu wählen und damit den Weg frei zu machen für eine bessere Zukunft. Anlässlich der »Asia Pacific Regional Internet Conference on Operational Technologies« (APRICOT) im indonesischen Jakarta hatte Mukom Tamon von AfriNIC gleich mehrere freudige Nachrichten. Ein Zeichen für die Tatkraft des neuen Vorstands sei die Ernennung von Interimsmanagern – er selbst für die Bereiche Technologieinfrastruktur und Strategie, ein Finanzvorstand und eine weitere Führungskraft für die Einbindung der Interessengruppen. Zudem habe AfriNIC einen Haushaltsplan und einen Aktionsplan entwickelt, die noch im Februar 2026 veröffentlicht würden. Tamon erklärte:

That is a sign we are out of the quagmire. This year, the phoenix rises from the ashes.

Ab 2027 könne AfriNIC richtig durchstarten; der Vorstand arbeite bereits an einer formalen Strategie für die Jahre 2027 bis 2030. Anlass zur Freude macht, dass AfriNIC über einen Pool von 773.376 nicht zugewiesenen IPv4-Adressen verfüge. Tamon sagte:

Can’t wait for that to be zero, so we can start talking about what really matters: IPv6.

Die Number Resource Organization (NRO), der Dachverband der fünf weltweiten Regional Internet Registries (RIRs), scheint dem allerdings nicht zu trauen. Am 06. Februar 2026 veröffentlichte die NRO einen Status-Report zum Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries. Es soll die Nachfolge des »Internet Coordination Policy‑2: Criteria for Establishment of New Regional Internet Registries (ICP‑2)« vom 04. Juni 2001 antreten. Es beschreibt den gesamten Lebenszyklus einer RIR, angefangen von ihrer Einrichtung über den Betrieb bis hin – und das ist die Lehre aus dem AfriNIC-Debakel – zur möglichen Aberkennung, um sicherzustellen, dass das System der Adressvergabe der globalen Internet-Community dient. Die Rolle von ICANN würde damit ausdrücklich gestärkt; die Netzverwaltung wäre künftig berechtigt, ein Verfahren auf Aberkennung des RIR-Status einzuleiten. Außerdem könnte für bis zu 90 Tage eine so genannte »Emergency Continuity« eingerichtet werden:

If an RIR is unable to adequately provide all or any part of its RIR Services to its Service Region, whether due to circumstances within or outside of its control, a temporary arrangement may be initiated to ensure continuity of RIR Services for the affected Service Region (such event, an Emergency Continuity).

In einem solchen Fall können die anderen RIRs und ICANN einen »Emergency Operator« mit der vorübergehenden Bereitstellung der RIR-Dienste beauftragen.

Im nächsten Schritt ist geplant, dass in der ersten Jahreshälfte 2026 das Address Supporting Organization Address Council (ASO AC) alle noch offenen Punkte abarbeitet und dann dem Number Resource Organization Executive Council (NRO EC) zur Entscheidung vorlegt. Die Endfassung des »Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries« soll bis Jahresende 2026 verabschiedet werden.

Webinar

eco e.V. stellt am 26.02.2026 eine flexible Vertragsvorlage zum Umgang mit den Anforderungen von Art. 28 NIS2 für Registries und Registrare vor

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. (eco eV) lädt zum NIS2 Webinar unter dem Titel »Wie Registries und Registrare neue Kooperationspflichten effizient erfüllen können«. Die einstündige Veranstaltung findet am 26. Februar 2026 um 17:00 Uhr statt.

Anlass für das eco eV-Webinar ist das am 06. Dezember 2025 in Kraft getretene deutsche Umsetzungsgesetz zur NIS2-Richtlinie. Dessen Artikel 28 stellt Registries, Registrare, Reseller und Anbieter von Datenschutz-/Proxy-Diensten vor erhebliche operative Herausforderungen. Zur Unterstützung der Domain-Branche stellt eco – Association of the Internet Industry e. V. eine von Rechtsanwalt Thomas Rickert (Director Names & Numbers bei eco eV) entwickelte Vertragsvorlage bereit,

die darauf ausgelegt ist, die Anforderungen von Artikel 28 nahtlos in bestehende Registry-Registrar-Vereinbarungen (RRAs) zu integrieren.

Nachdem Rickert seine Lösung bei der ICANN vorgestellt hat, wird er sie nun im anstehenden Webinar einem breiteren Publikum bekannt machen.

Das Webinar bietet binnen einer Stunde unter anderem einen klaren Überblick über die Anforderungen von Artikel 28 und deren Auswirkungen, darüber wie das ICANN-RRA als Grundlage für eine effektive Zusammenarbeit dient, es führt in die flexible Anhangvorlage für die NIS2-Konformität ein und einiges mehr. Nachdem Lars Steffen (Geschäftsbereichsleiter International, digitale Infrastrukturen & Resilienz, eco eV) die Teilnehmer und Referenten kurz begrüßt, gibt Rickert eine fünfzehnminütige Einführung und ein UpDate zu NIS2. Danach stellt er zusammen mit Ronald Schwärzler (CEO der domainworx Service & Management GmbH), der als Geschäftsführer der Registries von .wien, .koeln und .cologne mit der Vertragsvorlage Erfahrung gesammelt hat, diese vor. Es schließt sich ein kurzer Frage und Antwort Slot an, ehe das Webinar um 18:00 Uhr endet.

Das eco e.V. Webinar Wie Registries und Registrare neue Kooperationspflichten effizient erfüllen können findet am 26. Februar 2026 ab 17:00 Uhr online statt. Für die Teilnahme meldet man sich online an.

ccTLDs

Anquilla erhöht die Domain-Preise für .ai

Letzte Woche haben wir an dieser Stelle mitgeteilt, dass nach Angaben der Regierung von Anguilla die Zahl der registrierten .ai-Domains erstmals die Marke von einer Million überschritten hat. Eine Woche später kommt der Preisschock.

Mit Wirkung ab dem 05. März 2026 erhöht sich der Einkaufspreis für Registrare um US$ 10,– pro .ai-Domain und Jahr. Bei einer von der Registry vorgegebenen Mindestlaufzeit von zwei Jahren kostete eine .ai-Domain bisher US$ 70,– pro Jahr, mindestens also US$ 140,– für die zweijährige Registrierung; künftig sind es US$ 80,– bzw. US$ 160,– für die zwei Jahre Vertragsdauer, umgerechnet also eine Preiserhöhung um etwa 14 Prozent. Wie hoch der Endkundenpreis sein wird, kann jeder Registrar individuell bestimmen; er kann, muss aber die Preiserhöhung nicht zwingend weitergeben. Zur Begründung gab Anguilla an, dass die Domain-Endung mittlerweile eine der Haupteinnahmequellen sei und dass das Geld in lokale Infrastrukturprojekte fließe. Laut Anguilla Focus hat das Land bis inklusive November 2025 etwa EUR 59 Mio. mit .ai-Domains eingenommen, und das in einem Land, dessen Bruttoinlandsprodukt 2020 bei rund US$ 307 Mio. lag.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Mit Bestellung des Domain-Recht Newsletter willigen Sie darin ein, dass wir Ihre Daten (Name und E-Mail-Adresse) zum Zweck des Newsletterversandes in unseren Account bei der Optimizly GmbH (vormals Episerver GmbH), Wallstraße 16, 10179 Berlin übertragen. Rechtsgrundlage dieser Übermittlung ist Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a) der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, indem Sie am Ende jedes Domain-Recht Newsletters auf den entsprechenden Link unter "Newsletter abbestellen? Bitte einfach hier klicken:" klicken.

Seite 1 von 779
Top