nTLDs

Die gemeinnützige Organisation HCCF bewirbt sich um .self – für ein algorithmenfreies Internet

Die US-amerikanische Human-Centered Computing Foundation (HCCF) hat ihre Absicht offengelegt, sich bei der Internet-Verwaltung ICANN um die Top Level Domain .self bewerben zu wollen.

Die HCCF versteht sich als eine gemeinnützige Organisation, die sich für nutzerzentriertes Computing einsetzt; Ziel ist es, sich vom aktuellen Web, das für die Datenerfassung und Werbung großer IT-Konzerne optimiert ist, abzuwenden und ein neues, von Einzelpersonen und Gemeinschaften getragenes Web zu schaffen. In einer Erklärung heißt es:

The internet is the most powerful communication tool ever created, but the infrastructure that underlies it has become dominated by algorithms that exploit our data and capture users‘ attention, as used by the technology industry.

Subdomains unter .self sollen kostenfrei vergeben werden, »parking, squatting, or reselling« lehnt man ausdrücklich ab. Wesentlich erleichtert wird die Bewerbung dank Aufnahme in das Applicant Support Program (ASP) von ICANN; dadurch reduziert sich unter anderem die Bewerbungsgebühr erheblich, auch wenn die abschließende Prüfung noch aussteht. Weitere Details hat HCCF in einer Broschüre zusammengefasst, die ab sofort kostenfrei zum Download zur Verfügung steht.

Statistik

DENIC eG legt den Domain-Atlas 2025 vor und verbucht einen leichten Anstieg

Das deutsche Länderkürzel .de zeigt sich einmal mehr krisenfest: Das Jahr 2025 endete mit offiziell bestätigten 17.663.886 .de-Domains, was einem Plus von gut 2.200 Domains gegenüber 2024 entspricht. Das gab die DENIC eG in einer Neuauflage ihres Domain-Atlas für Deutschland bekannt.

Es ist mittlerweile gute Tradition, dass die .de-Registry DENIC einmal jährlich ihre Domain-Statistik samt regionaler Verteilung aller registrierten .de-Domains veröffentlicht und auf die Entwicklung im vergangenen Kalenderjahr zurückblickt. Auch für das Jahr 2025 fällt dieser Rückblick leicht positiv aus; so konnte .de um 2.207 Domains netto zulegen. Das ist allerdings deutlich weniger als im Jahr 2023, als das Plus bei 294.203 Domains lag; auch 2024 waren es mit 7.416 ein paar Domains mehr. Dabei entfallen die meisten .de-Domains auf Nordrhein-Westfalen; 3.363.094 Inhaber einer .de-Domain haben dort ihren Sitz, ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den Plätzen folgen unverändert Bayern (2.699.117 .de-Domains), Baden-Württemberg (2.081.445 .de-Domains) und Niedersachsen (1.525.598 .de-Domains). Den größten Sprung machte erneut Niedersachen; gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Inhaber einer .de-Domain um 1,9 Prozent an, während Berlin ein Minus von 3,3 Prozent meldet. Gab es 2024 nur in sechs Bundesländern eine positive Entwicklung, sind es 2025 immerhin zehn, wobei das Plus in Hessen mit 284 Domains sehr bescheiden ausfällt.

Bezogen auf die Anzahl der Einwohner führt hingegen weiterhin Hamburg mit nun 328,6 .de-Domains je 1.000 Einwohner (2024 waren es 330,2 .de-Domains je 1.000 Einwohner) deutlich vor der Bundeshauptstadt Berlin mit 245,8 (2024: 254,3) .de-Domains je 1.000 Einwohner. Hessen ist mit unverändert 202,6 .de-Domains je 1.000 Einwohner wieder vor Bayern gerückt; im Freistaat sind es 200,9 .de-Domains je 1.000 Einwohner. Statistisch betrachtet entfällt weiterhin auf jeden fünften Einwohner der Bundesrepublik eine .de-Domain. Das West-Ost-Gefälle innerhalb Deutschlands bei der Verteilung von .de-Domains blieb leider nahezu unverändert; Sachsen (134,1), Brandenburg (123,1), Thüringen (109,5), Mecklenburg-Vorpommern (109,0) und Sachsen-Anhalt (87,8) belegen die hinteren Plätze in der Bundesländerrangliste. Legt man die Lupe auf die 400 deutschen Städte und Kreise, hat sich an der Spitzenposition wenig getan. Bezogen auf die Einwohnerzahl liegt unverändert Osnabrück (Stadt) an der Spitze, mit starken 1.964,8 (2024: 1.876,6) .de-Domains je 1.000 Einwohner, ein Plus von 4,7 Prozent. Den zweiten Platz bestätigt hat der oberbayerische Landkreis Miesbach mit 538,9 .de-Domains je 1.000 Einwohner vor Wiesbaden mit 521,9 .de-Domains je 1.000 Einwohner, das sich so vor den bisherigen drittplatzierten Starnberg mit 519,1 .de-Domains je 1.000 Einwohner schieben konnte. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet. Hier führt Berlin die Städtewertung mit 929.612 .de-Domains an; erst mit deutlichem Abstand folgen sodann Hamburg (627.674 .de-Domains), München (524.028 .de-Domains) und Köln (355.870 .de-Domains).

Die eingangs genannten knapp 17,7 Mio. registrierten .de-Domains beinhalten nach Angaben der DENIC fast 2,15 Mio. Domains von Inhabern mit Wohnsitz im Ausland; damit sind .de-Domains bei Domain-Inhabern mit Wohnsitz im Ausland weiterhin sehr beliebt. Im Jahresvergleich 2024/25 stieg der Gesamtdomainbestand der Domains mit ausländischen Domain-Inhabern um 3,3 Prozent, was einem Wachstum um 69.400 .de-Domains entspricht. Insgesamt 12,2 Prozent der Domains waren zum Jahresende auf ausländische Inhaber registriert, die insgesamt Treiber des Gesamtwachstums waren. Die ausländischen Inhaber von .de-Domains stammen aus der ganzen Welt. Deutlich am stärksten nachgefragt sind deutsche Domains nach wie vor in den USA (31,3 %) und den Niederlanden (12 %). Es folgen Portugal (10,6 %), Österreich (7,7 %) und die Schweiz (4,8 %). Nach wie vor besonders beliebt ist .de nach wie vor im EU-Raum. Wer sich näher informieren will: Umfangreiches Daten- und Graphikmaterial sowie die komplette Regionalauswertung für alle Stadt- und Landkreise liefert der Statistikbereich der DENIC-Webseite zum kostenlosen Download.

Bukarest

ICANN, RIPE NCC und RONOG bieten zwei aufeinanderfolgende Veranstaltungen Ende September 2026

Die Romanian Network Operators Group (RONOG) hält am 29. September 2026 in Bukarest (Rumänien) ihre 11. Tagung ab. Tags darauf richtet ICANN zusammen mit RIPE NCC den Internet Measurement Day in Bukarest aus.

Das RONOG Meeting ist die größte Konferenz in Rumänien, auf der Netzbetreiber, IT-Fachleute und Regierungsvertreter zusammenkommen. RONOG versteht sich als Plattform, auf der Menschen technisch orientierte Ideen, Erfahrungen und Meinungen austauschen, die sich auf das Internet auswirken. Die Konferenz richtet sich an Netzbetreiber, Regulierungsbehörden und Regierungsvertreter. Das RONOG Meeting 11 wird von InterLAN im Radisson BLU Hotel ausgerichtet. Als Referenten der eintägigen Konferenz werden unter anderem ERIC Andrei Băleanu (InterLAN-IX), Ștefan Botea (Huawei), Thomas Weible (Flexoptix) und Livio Morina (PeeringDB) genannt. Die Agenda für den Tag liegt noch nicht vor. Bisher haben sich 72 Teilnehmer aus neun Ländern angemeldet.

Hoch technisch geht es am Folgetag weiter: am 30. September 2026 findet der von ICANN und RIPE NCC organisierte Internet Measurement Day vor Ort in Bukarest (Rumänien) statt. Diese Veranstaltungsreihe zielt darauf, Internet-Messverfahren bei lokalen Gemeinschaften im gesamten Versorgungsgebiet des RIPE NCC bekannt zu machen. Im Rahmen der Veranstaltung tauschen Netzbetreiber, ccTLDs, Forscher, Regulierungsbehörden und andere Interessengruppen Erfahrungen, Instrumente und bewährte Verfahren zur Vermessung des Internets aus. Auf der Agenda stehen RIPE Atlas, die ITHI Metrics (Identifier Technologies Health Indicators), RIS (Routing Information Service), RPKI (Resource Public Key Infrastructure) und RIPEstat, die »open data platform« von RIPE NCC.

Das RONOG 11 findet am 29. September 2026 von 09:00 bis 17:00 Uhr im Radisson Blu Bucharest Hotel, Calea Victoriei 63-81, Bucharest 010065 (Rumänien) statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

Der ICANN und RIPE NCC Internet Measurement Day findet am 30. September 2026 von 07:00 bis 16:30 Uhr ebenfalls in Bukarest (Rumänien) statt. Ein genauer Ort der Veranstaltung ist nicht angegeben, aber ICANN verweist auf RONOG. Die Anmeldung ist noch nicht eröffnet.

nTLDs

»White Paper« für die ICANN gTLD-Bewerbungsrunde 2026 – FAQ für Unternehmen

Es ist ein historischer Tag: ab dem 30. April 2026 nimmt die Internet-Verwaltung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) zum zweiten Mal nach 2012 Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain (gTLD) entgegen. Bis zum Jahr 2012 gab es lediglich 22 gTLDs, darunter die bekannten Domain-Endungen .com, .net und .org; seither sind aus 1.930 eingegangenen Bewerbungen hunderte weiterer Domain-Endungen wie .audi, .shop oder .berlin dazugekommen. Für Marketing-, IT- und Rechtsabteilungen ergeben sich aus der zweiten Einführungsrunde sowohl erhebliche Chancen als auch komplexe Anforderungen. Dieses »White Paper« fasst die wichtigsten Fakten des Bewerbungsverfahrens kompakt im FAQ-Format zusammen.

Warum sollte man über eine Bewerbung um die eigene Top Level Domain nachdenken?

Die Gründe sind vielfältig. Immer wieder genannt werden vier Hauptargumente:

  • digitale Unabhängigkeit von Plattformanbietern wie Facebook, Instagram oder TikTok,
  • optimierter Schutz vor Internetbedrohungen (Erhöhung der Sicherheit durch kontrollierte Domain-Vergabe),
  • Stärkung des Kundenvertrauens in die eigene Marke (innovative Kommunikationsformate wie z. B. personalisierte Domains) und
  • volle Kontrolle über das eigene Online-Ökosystem (z.B. für den Aufbau geschlossener Markenökosysteme, Kundenportale oder Kampagnen).

Das Bewerbungsverfahren ist aber auch nicht ohne Risiken. Als zentral zählen:

  • hohe Investitionskosten ohne garantierten wirtschaftlichen Erfolg,
  • Reputationsrisiken bei technischen Ausfällen,
  • Komplexität der regulatorischen Anforderungen und
  • potenzielle Konflikte mit Wettbewerbern oder Rechteinhabern.

Eine Bewerbung ist daher nicht für jedes Unternehmen sinnvoll. Besonders geeignet ist eine eigene gTLD für Unternehmen mit starker Marke, internationaler Präsenz und langfristiger Digitalstrategie. Die Entscheidung sollte auf einer fundierten Kosten-Nutzen-Analyse basieren.

Wer kann sich um eine neue Top Level Domain bewerben?

Nur juristische Personen wie Unternehmen, Organisationen und Institutionen sowie staatliche, nichtstaatliche und zwischenstaatliche Einrichtungen können sich um eine neue gTLD bewerben. Bewerbungen von Privatpersonen oder Einzelkaufleuten werden nicht berücksichtigt. Eigene technische Kompetenz ist nicht zwingend notwendig, für viele Bewerber empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Registry Service Providern.

Von wann bis wann ist das Bewerbungsfenster geöffnet?

Das Bewerbungsfenster öffnet sich am 30. April 2026 um 23:59 (UTC). Es ist 105 Tage lang geöffnet und schließt daher voraussichtlich am 12. August 2026 um 23:59 Uhr (UTC). Während der gesamten Bewerbungsphase gilt der Grundsatz des „first come, first served“ nicht; es hat also keinen Einfluss auf die Bewerbung, ob man zu den ersten Bewerbern zählt oder zu den letzten.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?

Das Bewerbungsverfahren verläuft in mehreren Phasen:

  • Bewerbungseinreichung: elektronische Antragstellung über das „TLD Application Management System“ (TAMS) inklusive umfassender Dokumentation
  • Administrative und technische Prüfung: umfassende Bewertung einer Bewerbung durch ICANN unter Berücksichtigung von Sicherheit und Stabilität des Domain Name Systems (DNS)
  • Öffentliche Kommentierungsphase: Möglichkeit für Dritte, Einwände gegen eine Bewerbung zu erheben
  • Konfliktlösung: bei konkurrierenden Bewerbungen (z. B. um die gleiche Zeichenkette) Mediation bis hin zu einer Auktion, bei welcher der Meistbietende den Zuschlag erhält
  • Delegierung: Aufnahme der gTLD in die Root Zone nach erfolgreicher Prüfung

Um welche Domain-Endung(en) kann ich mich bewerben?

ICANN unterscheidet, verkürzt dargestellt, zwischen folgenden Kategorien von Bewerbungen: (i) allgemein-beschreibend, (ii) Community-TLD, (iii) geographischer Name, (iv) reservierter Name, (v) Marken-Endung (».brand«), (vi) internationalisierte TLD (IDN), (vii) Variante einer bestehenden gTLD sowie Anträge von Regierungen und zwischenstaatlichen Organisationen. Für jede Kategorie gelten eigene Zulassungsvoraussetzungen. Vereinfacht gilt: jede Domain-Endung muss eine Mindestlänge von drei Buchstaben (keine Zahlen) aufweisen, darf keiner Abkürzung auf der ISO-3166-1-Kodierliste entsprechen und nicht bereits vergeben sein.

Kann man nach dem 30. April 2026 öffentlich einsehen, wer sich um welche Top Level Domain beworben hat?

Solange das Bewerbungsfenster geöffnet ist, veröffentlicht ICANN keine Informationen zu den eingegangenen Bewerbungen. Sollten keine außergewöhnlichen Umstände eintreten, plant ICANN, die Liste aller eingegangenen Bewerbungen neun Wochen nach Schließung des Bewerbungsfensters zu veröffentlichen (»reveal day«); das wäre voraussichtlich der 14. Oktober 2026. Die endgültige Bewerberliste wird am »String Confirmation Day« veröffentlicht, da den Bewerbern eine Frist von zwei Wochen nach dem »reveal day« zur Verfügung steht, innerhalb derer sie in Kenntnis aller eingegangenen Bewerbungen unter Umständen eine Ersatzendung benennen können; der »String Confirmation Day« ist daher voraussichtlich am 28. Oktober 2026.

Was kostet eine Bewerbung?

Die Bewerbungsgebühr beträgt US$ 227.000,00, umgerechnet also ca. EUR 195.000,00. Sie ist als Mindestgebühr zu verstehen; je nach Art der Bewerbung (zum Beispiel im Format .brand) können zusätzliche Gebühren anfallen. Insgesamt sollte man für das Bewerbungsverfahren mit Kosten im mittleren bis hohen sechsstelligen Euro-Bereich rechnen, spätere Betriebskosten nicht berücksichtigt.

Welche Regeln gelten für das Bewerbungsverfahren?

Alle Details des Bewerbungsverfahrens sind im Bewerberhandbuch (»Applicant Guidebook«, kurz: AGB) geregelt, dessen vorläufige Endfassung ICANN kurz vor Weihnachten 2025 veröffentlicht hat. Das AGB mit seinen 440 Seiten ist das Handbuch für alle Unternehmen, Marken, Communities und Städte, die sich um eine gTLD bewerben möchten; es enthält sämtliche Bewerbungsfragen, Anforderungen und Verfahren, die durch den Bewerbungs- und Bewertungsprozess führen.

Wo finde ich die aktuelle Fassung des Bewerberhandbuchs?
Die aktuelle Fassung des Bewerberhandbuchs finden Sie unter newgtldprogram.icann.org. ICANN hat sich das Recht vorbehalten, das Bewerberhandbuch fortlaufend zu aktualisieren.

Ist es möglich, einen Nachlass auf die Bewerbungsgebühr zu erhalten?

Ja. Im Rahmen des »Applicant Support Program« (ASP) gewährt ICANN bis zu 75 Bewerbern finanzielle wie nicht-finanzielle Vorteile, die eine Reduzierung der Bewerbungsgebühr um bis zu 85 Prozent beinhalten. Teilnahmeberechtig am ASP sind jedoch lediglich Bewerber aus den folgenden Kategorien: (i) Gemeinnützige Organisationen, Wohltätigkeitsorganisationen oder vergleichbare Einrichtungen, (ii) Zwischenstaatliche Organisationen (IGOs), (iii) Organisationen indigener Völker oder Stammesgemeinschaften, (iv) Kleinst- und Kleinunternehmen mit sozialer Ausrichtung oder gemeinnützigem Charakter und (v) Kleinst- und Kleinunternehmen aus weniger entwickelten Volkswirtschaften.

Was ist ein »Registry Service Provider«?

Als »Registry« wird der Verwalter bzw. Betreiber einer Top Level Domain bezeichnet. In der Praxis bedient sich die Registry häufig eines technischen Dienstleisters (»Registry Service Provider«, kurz: RSP). Der RSP übernimmt im Auftrag der Registry die Bereitstellung der technischen Infrastruktur und fungiert als »Backend« für die Domain-Registrierung; er arbeitet zudem mit den Domain-Registraren zusammen, um Domain-Namen an die Endnutzer zu verkaufen. Namhafte deutschsprachige RSPs sind die DENIC Services GmbH & Co. KG, die tldbox GmbH sowie die Knipp Medien und Kommunikation GmbH. Eine vollständige Liste qualifizierter RSPs finden Sie unter newgtldprogram-2026-documents.icann.org.

Ich möchte mich nicht um eine Top Level Domain bewerben. Aber was kann ich tun, um meine Marke(n) zu schützen?

Das Bewerbungsverfahren sieht mehrere Rechtsschutzverfahren (»Rights Protection Mechanisms«, kurz: RPM) vor. In jedem Fall hilfreich ist ein Eintrag der eigenen Marke(n) im »Trademark Clearinghouse«, erreichbar unter trademark-clearinghouse.com. Es dient dem Schutz der Markenintegrität und des Verbrauchervertrauens, indem es Markeninhabern die Möglichkeit gibt, Markenverletzungen proaktiv zu verhindern. Eintragungen sind ab US$ 155,– im Jahr erhältlich.

Wo finde ich weitere Informationen?

Unter der Adresse newgtldprogram.icann.org hat ICANN zahlreiche weiterführende Informationen zur Einführungsrunde 2026 zusammengestellt, die fortlaufend aktualisiert werden.

Wird es weitere gTLD-Einführungsrunden geben?

ICANN geht davon aus, dass es in Zukunft weitere Runden zur Einführung neuer gTLDs gibt. Wann das sein wird, ist derzeit jedoch völlig offen; eine dritte Einführungsrunde noch in diesem Jahrzehnt gilt als sehr unwahrscheinlich.

Fazit

Die gTLD-Bewerbungsrunde 2026 stellt eine seltene strategische Gelegenheit dar, die eigene digitale Markenführung grundlegend zu erweitern. Gleichzeitig erfordert der Prozess erhebliche Ressourcen und sorgfältige Planung. Unternehmen sollten individuell evaluieren, ob und wie eine eigene Domain-Endung in ihre Gesamtstrategie passt. Eine enge Abstimmung zwischen Marketing-, Rechts- und IT-Abteilungen ist dabei entscheidend. Wer gut vorbereitet ist, kann sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile sichern und wirtschaftliche wie rechtliche Nachteile für die eigene Marke vermeiden.

Statistik

Der aktuelle »IDN Market Report 2026« liefert schwache Zahlen – »Universal Acceptance« kommt nicht voran

Im Mai 2026 legte NetKnowledge.com.au einen aktuellen IDN-Marktbericht vor. Der Rückgang von IDN-Domains in den letzten Jahren schwächt sich etwas ab, verstetigt sich aber. Weniger an der Studie beteiligte Teilnehmer als zuvor glauben an einen Anstieg der Zahlen in den kommenden fünf Jahren. Alfredo Calderón-Serrano nutzt die Erkenntnisse für eine Analyse und einen Ausblick auf zu ergreifende Maßnahmen, um IDNs und »Universal Acceptance« (UA) in den kommenden Jahren voranzubringen.

Internationalisierte Domain-Namen (IDNs) sind Domains in nicht-lateinischen Schriftzeichen, wie etwa die deutschen Umlaute ä, ö und ü, aber auch arabische, chinesische, kyrillische Schriftzeichen. IDNs umfassen einerseits Domain-Namen unter »lateinischen« Endungen (wie .com, .de, .fr) oder ihrerseits internationalisierten Endungen (.рф, .中国). Diese Domains ermöglichen es Nutzern, in ihrer eigenen Sprache und Schrift Domains zu registrieren und am Internet teilzunehmen. Man spricht von »Universal Acceptance« (UA). Es ist das Prinzip, wonach alle gültigen Domain-Namen und eMail-Adressen von allen internetfähigen Systemen akzeptiert, validiert, gespeichert, verarbeitet und korrekt angezeigt werden.

Der aktuelle IDN Market Report basiert auf Daten von 374 Top Level Domains, 71 davon Länderendungen, sowie 303 generischen Endungen, und auf einer von Januar bis April 2026 durchgeführten Umfrage, die sich an Registries, Registrare und Interessierte aus der Domain-Branche richtete. Insgesamt sind danach etwa 4,3 Mio. IDNs registriert, was einen Verlust von ca. 0,1 Mio. Registrierungen gegenüber 4,4 Mio. in 2025 darstellt. Insgesamt stehen laut der Studie alle Zeichen auf Abstieg: unter den 28 größten ccTLDs gingen 2025 IDN-Registrierungen um 0,4 Prozent zurück; bei gTLDs waren es minus 0,8 Prozent. Profitiert hat die kyrillische Endung von Russland, .рф, die sich um 2,3 Prozent steigerte. In Europa registrierten 19 von 28 ccTLDs Verluste, in Asien waren es 16 von 18 ccTLDs. In Amerika verbuchten zumindest 6 von 8 ccTLDs wirkliches IDN-Wachstum: .ar, .br, .ca, .pm, .py und .uy. Insgesamt gibt es 90 reine IDN-gTLDs, die zusammen auf 176.000 Registrierungen kommen. Die Studie gibt zahlreiche weitere Informationen zu Fragen der Bekanntheit von IDNs in den unterschiedlichen Weltteilen, Hindernisse bei der Einführung und Umsetzung von IDNs, technische Umsetzungen, WHOIS-Darstellung, eMail-Akzeptanz und den Ausblick auf die kommenden fünf Jahre. Sie erweist sich als informativ und lesenswert.

Da trifft es sich gut, dass der Puerto-Ricaner Alfredo Calderón-Serrano sich parallel den Stand der Dinge von Universal Acceptance und IDNs angeschaut hat. Dabei nimmt er deutlich die Position des Endnutzers in den Blick, der gegebenenfalls feststellen muss, dass das Internet für ihn nicht funktioniert, weil er eine Domain oder eine eMail in seiner Sprache nutzt. Es gehe nicht einfach um technische Anforderungen, sondern digitale Teilhabe, Vertrauen, Identität und alltägliche Nutzung. Für den Nutzer muss es, um digitale Teilhabe zu gewährleisten, möglich sein, mit seiner IDN-eMail-Adresse ein Online-Formular auszufüllen, seinen eMail-Client zu nutzen, sich unproblematisch auf einer Website einzuloggen und Zahlungssysteme zu nutzen, geschweige denn von Registrierungsportalen. Das alles ist nach wie vor kein Standard. Und der beruht letztlich auf fehlender technischer Umsetzung. Die Technik ist aufgrund zahlreicher Standards festgelegt, doch beruhen viele Angebote auf veraltetem Code, vor Jahren programmiert und dann nicht mehr angefasst, der die Standards nicht berücksichtigt. Das hat aber auch Nachteile für Unternehmungen, wenn sie nicht IDN-ready sind, da ihnen mögliche Geschäfte und Kunden verloren gehen, weil diese keinen Zugriff auf deren Seiten haben. Leider fehlt es bei den in diesen Fällen zuständigen Stellen an Wissen um IDNs: Es betrifft Pädagogen, kleine Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Software-Entwickler, Cybersicherheitsexperten, Trainer für digitale Kompetenz und gemeinnützige Organisationen. Die Normalität von IDNs muss auch für sie normal werden. Calderón-Serrano stellt Fragen, die essentiell für die zukünftige Entwicklung sind: funktioniert es, wenn ich meine IDN auf meine Visitenkarte drucke, wenn jemand eine IDN in das Suchfenster des Browsers tippt oder mit der mobilen App nutzt. Solche praxisorientierten Fragen sollten die kommende Entwicklungsphase von UA leiten. Gegenwärtig befinden wir uns in einer Übergangsphase, meint Calderón-Serrano. Die nächsten Schritte sind: UA muss eine Anforderung bei der Beschaffung werden, sie muss Teil der Ausbildung von Entwicklern werden, Unternehmungen müssen ihre Angebote von der Nutzerseite her testen, nicht vom technischen Ende her, digitales Verständnis muss auch IDNs umfassen und schließlich sollte Universal Acceptance nicht als Domain-bezogen verstanden werden, sondern die Menschen als das wahrnehmen, was sie sind. Er resümiert mit den Worten:

We are closer than ever to a multilingual Internet, but not yet close enough for the end user.

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