Domain pulse 2027

nic.at lädt mit dem Thema »KI denkt. DNS lenkt.« Ende Februar an den Wolfgangsee zum Branchentreffen

nic.at lädt zum kommenden Domain pulse, der Ende Februar 2027 unter dem Titel »KI denkt. DNS lenkt.« am Wolfgangsee stattfindet. Über zwei Tage hinweg tauschen sich Fachleute aus der Domain- und Internetbranche sowie aus Forschung und Politik über aktuelle Themen rund um Domain-Namen aus.

Der Domain pulse ist die bedeutendste Veranstaltung für aktuelle Themen, Tendenzen und Trends rund um Domain-Namen im deutschsprachigen Raum. Die Fachtagung Domain pulse richten zusammen sowie alternierend die Registrierungsstellen der Länderendungen von Deutschland (DENIC eG), Österreich (nic.at) und der Schweiz (SWITCH) aus. Aktueller Gastgeber ist nic.at, die am 25. und 26. Februar 2027 ins »Eventresort scalaria« direkt am Wolfgangsee (Österreich) lädt. Das Motto der Veranstaltung lautet »KI denkt. DNS lenkt.«. Die Konferenz, die Fachwissen, Menschen und Institutionen aus Wirtschaft, Forschung und Politik über Grenzen hinweg vernetzt, widmet sich diesmal den großen Fragen der digitalen Zukunft:

Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Gesellschaft in rasantem Tempo – gleichzeitig bilden ein stabiles Domain Name System, digitale Souveränität und Cybersicherheit das Fundament für eine vertrauenswürdige digitale Welt.

Am ersten Tag des Domain pulse 2027 werden die die Themen KI, European Digital Sovereignty, Cyber Security und DNS besprochen. Als Referenten konnten unter anderem Prof. Dr. Christian Stummeyer, Prof. Dr. Sandra Wachter und Prof. Dr. Wolfgang Kleinwächter gewonnen werden. Noch keine Zusage liegt von Internet-Mitbegründer Vint Cerf vor. Wie übliche gibt es nach dem ersten Arbeitstag ein Abendprogramm, über das noch nichts näheres verlautbart ist. Der zweite Tag widmet sich Themen aus der TLD-Welt (New gTLD, ccTLD, DACH-Panel) und endet nach der Stabübergabe für den Domain pulse 2028 an Denic e.G. mit einem Abschiedslunch.

Der Domain pulse 2027 findet am 25. und 26. Februar 2027 im scalaria Event Resort, See 1, 5360 St. Wolfgang im Salzkammergut (Österreich) statt. Eine allgemeine Anmeldung wird in kürze starten, den Termin sollte man sich unbedingt notieren.

DomainGemsAI

Was die Analyse der Zone Files über Top Level Domains aussagen kann

Mohd Hashim (DomainGemsAI) hat sich Zone Files angeschaut, um besser zu verstehen, welche Domains unter Top Level Domains registriert sind, wie sie sich unterscheiden und ob man daraus ein besseres Verständnis für den Bestand einer Domain-Endung entwickeln kann.

Hashim ist Gründer von DomainGemsAI, einer Analyse-Plattform für Domain-Investoren. Er war lange Zeit im Bereich Rechenzentrumsinfrastruktur und technischer Betrieb tätig, was ihm einen anderen Blick im Hinblick auf Systeme gegeben hat. Seit er sich mit Domains beschäftigt, schaut er sich Zone Files an. Nun legt er eine Strukturanalyse vor, dernach sich aus den Zone Files von Top Level Domains gegebenenfalls ablesen lässt, wie gesund eine Domain-Endung ist. In der Regel werden Top Level Domains anhand der Anzahl registrierter Domains, Verlängerungsraten oder Aktivierungsdaten gelesen und verglichen. Jedoch können Namensräume mit nahezu identischen Registrierungszahlen aufgrund unterschiedlicher Domains völlig unterschiedliche innere Strukturen aufweisen. Mit der Methode von Hashim lässt sich nachverfolgen, aus welchen Domain-Arten sich der Registrierungsbestand einer Top Level Domain zusammensetzt und was das gegebenenfalls über die Qualität der Endung aussagt.

Die Analyse von Hashim klassifiziert Domains in strukturelle Kategorien. Er unterscheidet Domains in die große mittlere Masse von einfachen Domain-Namen ohne sichtbare kommerzielle Signale; sie umfasst zwischen 55 Prozent und 70 Prozent einer Zone. Eine kleine Gruppe von 5 Prozent bis 12 Prozent umfasst Domains von Investoren, die sich aus kurzen, prägnanten Namen zusammensetzt. Und es gibt die Kategorie im mittleren einstelligen Bereich der »Operator-Grade«-Domains, die kommerziell plausible Namen enthalten, mit denen ein Unternehmen realistischerweise eine Präsenz aufbauen könnte. Darüber hinaus gibt es ein strukturelles Rauschen, das aus Konsonanten-Clusters, extrem langen Keyword-Kombinationen, zufälligen alphanumerischen Mustern, sich wiederholenden Zeichen und Infrastruktur-Artefakten besteht. Über die Relation dieser Gruppen zueinander lassen sich, so Hashim, Aussagen über die Qualität der Top Level Domain treffen. Sie werden über leichte Verschiebungen der Relationen deutlich.

Leider wird Hashim an dieser Stelle nicht spezifisch, sondern bleibt allgemein. Er macht deutlich, dass einige Namensraum-Profile relativ mehr Domains enthalten, die als »Operator-Grade« einzustufen wären, während andere relativ mehr aufweisen, die als spekulativ zu klassifizieren und von Investoren registriert sind. Das gern herangezogene Registrierungsvolumen behandelt beide Profile gleich. Dabei muss ein erhöhter spekulativer Bestand sich nicht negativ auswirken; er kann die Liquidität im Sekundärmarkt und die Preisfindung unterstützen, aber ein Namensraum, der davon dominiert wird, verhalte sich im Laufe der Zeit ganz anders als einer mit einer stärkeren Basis an „Operator-Grade“-Domains. Auch die Domains, die für das strukturelle Rauschen verantwortlich sind, wirken sich aus, je nachdem, wie stark die Kategorie im Namensraum einer Top Level Domain ausgeprägt ist. In Profilen mit mehr Rauschen kamen zufällige alphanumerische Muster um ein Vielfaches häufiger vor und numerischer Spam trat in deutlich höheren Quoten auf. Andere Namensräume zeigten proportional mehr Domains mit Bindestrichen und auf Missbrauch (DNS Abuse) hindeutende Keyword-Zeichenfolgen. Die Daten deuten darauf hin, dass ein Namensraum mit einem hohen Anteil an zufälligen alphanumerischen und numerischen Spam-Domains wahrscheinlich über Registrar-Kanäle oder Werbestrukturen verfügt, die massenhaft »Wegwerf-Registrierungen« anziehen.

In jedem analysierten Namensraum bildete die defensive Mitte die größte Gruppe an Domains, die strukturell sauber, aber semantisch nicht verankert sind. Diese Domains sehen so aus, als könnten sie Marken, persönliche Projekte, Start-Up-Experimente oder Platzhalter-Registrierungen sein. Diese Kategorie schätzt Hashim als wichtiger als die Extremen ein. Die defensive Mitte, die einen Anteil von die 55 Prozent bis 70 Prozent jedes untersuchten Namensraums ausmacht, ist strukturell mehrdeutig. Ihre Wirkung kristallisiert sich im Zeitpunkt der Domain-Verlängerung heraus. Mit ihrer Verlängerung üben diese Domains einen überproportionalen Einfluss auf die langfristige Gesundheit des Ökosystems aus. Die gängigen Kennzahlen für Registrierungen sagen darüber rein gar nichts aus. Hashim kommt zu dem Schluss: Das Registrierungsvolumen trifft die Aussage, wie groß ein Namensraum ist. Die strukturelle Analyse zeigt, woraus dieser Namensraum tatsächlich besteht. Beides verdient einen Platz bei der Bewertung von Domain-Endungen.

ccTLDs

Die albanische Länderendung .al fiel wegen eines DNSSEC-Schlüsselwechsels aus

Ein fehlerhafter DNSSEC-Rollover hat die albanische Länderendung .al kurzzeitig außer Gefecht gesetzt.

Am 03. Juli 2026 hatte die .al-Registry Electronic and Postal Communications Authority (AKEP) versucht, einen DNSSEC-Schlüsselwechsel durchzuführen. Dabei trat ein Fehler auf, der zu Validierungsfehlern führte. Nutzer, die .al-Domains über einen validierenden Resolver aufrufen wollten, konnten sie während des Ausfalls nicht erreichen. Der Ausfall hätte potenziell alle .al-Domains betreffen können, unabhängig davon, wo sie gehostet wurden oder welche autoritativen Nameserver sie genutzt haben. Nach mehreren Stunden war die Domain-Namensauflösung im Interesse der Erreichbarkeit wiederhergestellt, auch wenn der gesamte .al-Namensraum zunächst noch unsigniert blieb und damit ohne DNSSEC-Garantie potentiell angreifbar war; auch das ist mittlerweile behoben. Der Vorfall bei .al erinnert an den Ausfall bei .de vor wenigen Wochen. Grund, auf DNSSEC zu verzichten, gibt es aber nicht. DNSSEC-Fehler auf TLD-Ebene sind sehr selten; treten sie gleichwohl auf, betreffen sie alle Domains unterhalb einer Top Level Domain gleichzeitig und alle validierenden Resolver gleichermaßen, was zu öffentlichem Aufsehen führt. Die Vorteile von DNSSEC, nämlich die Gewährleistung der Authentizität und Integrität der Zonen-Daten, überwiegt die Risiken aber bei weitem.

Cyberkriminalität

Der Interisle-Report zeigt, die Phishing-Rate steigt um 117 Prozent

Die Gesamtzahl der Phishing-Angriffe steigt nach einem Bericht der Interisle Consulting Group weiter stark an. Als besonders auffällig erweisen sich nach wie vor Domain-Namen unter der Endung .xin, andere Top Level Domains wie .garden und .win waren bei Cyberkriminellen aber ebenfalls gefragt.

Statt eines – wie im Vorjahr 35-seitigen – Berichts hat Interisle sich im Jahr 2026 dafür entschieden, verschiedene Aspekte des Phishings in einer Artikel-Serie zu beleuchten und damit den aktuellen Stand in Sachen Umfang und Verbreitung von Phishing zu dokumentieren. Grundlage der Analyse sind Daten aus Phishing-Berichten, die zwischen Mai 2025 und April 2026 von Anbietern wie der Anti-Phishing Working Group (APWG), OpenPhish, PhishTank und Spamhaus veröffentlicht wurden. Demnach hat sich die Zahl der Phishing-Attacken gegenüber dem Vorjahr 2025 (1.963.390) auf nun 4.251.720 mit einem Plus von 117 Prozent mehr als verdoppelt. Interisle spricht insoweit von einer »alarming rate« und ungenügenden Bemühungen quer über die gesamte Domain Name Industry, Phishing zu begrenzen. Die Zahl der Top Level Domains, die für Phishing verwendet wird, ist mit 854 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gestiegen; Phishing ist also nicht auf einige wenige TLDs begrenzt. Gleiches gilt für die Zahl der phishing-auffälligen gTLD-Registrare, die von 2.033 auf 2.459 gestiegen ist; berücksichtigt man darüber hinaus alle Domain-Registrare (also einschließlich der ccTLD-Registrare), ist deren Zahl von 3.125 auf 3.729 ähnlich angestiegen.

Wenig überraschend sind .com-Domains bei Phishern am beliebtesten. Hier zählt Interisle bei knapp 162 Mio. Domains exakt 869.180 Phishing-Fälle. Dahinter folgt .top mit 375.514 Phishing-Fällen, bei allerdings nur knapp 6,3 Mio. registrierten Domains. Auf den Plätzen folgen .cn (167.651 Fälle bei 12,53 Mio. Domains), .pro (130.945 Fälle bei 1,1 Mio. Domains) und .info (99.602 Fälle bei 5,25 Mio. Domains). Setzt man die Zahl der Phishing-Fälle ins Verhältnis zu den registrierten Domains, ergibt sich der sogenannte »Phishing Domain Score« von Interisle und das Bild verändert sich erheblich. Hier führt wie im vergangenen Jahr .xin mit einem Score von 5.910,0 vor .win (1.640,7), .icu (1.607,0), .garden (1.567,7) und .cfd (1.387,4). Interisle:

The top 5 TLDs are new gTLDs that played prominent roles in major phishing, scam, and fraud campaigns or associated with PhAAS infrastructures during our study period.

Dabei werden die einzelnen TLDs ganz gezielt eingesetzt, nämlich .xin für »unpaid toll, brand impersonation«, .win für »B2B credential harvesting, fake login portals (MS365, DocuSign)«, .icu für »brand impersonation, postal and delivery scams, subscription/renewal scams«, .garden für »malicious redirection, brand lookalikes« und .cfd für »authentication laundering, Google URL redirects«.

Vor allem die eindeutige Häufung von Phishing-Fällen unter nTLDs dürfte ICANN angesichts der laufenden Bewerbungsrunde um neue Top Level Domains mit Sorge betrachten. Karen Rose von Interisle erklärt:

The last round of new gTLDs was a goldmine for criminal abuse of domain names. What can wie do to prevent the new round from being just more of the same?

Die ICANN-Richtlinien sollten darauf abzielen, böswillige Registrierungen (DNS Abuse) messbar zu reduzieren und die Verantwortlichkeit für Missbrauch zu erhöhen. Registrare mit hohen Missbrauchsraten sollten deshalb zu Leistungsverbesserungen verpflichtet werden, bei deren Nichteinhaltung Strafen bis hin zur Deakkreditierung drohen. Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Seit dem »Aus« von Freenom ist der Anteil der gemeldeten Phishing-Domains unter Länderendungen drastisch zurückgegangen. Damit erweisen sich ccTLDs weiterhin als Vertrauens- und Sicherheitsanker.

nTLDs

Die beiden Google-TLDs .eat und .here starten Ihre Sunrise-Phase am 01. September 2026

Die Google-Tochter Charleston Road Registry Inc. geht mit zwei weiteren, neu eingeführten Top Level Domains auf den Markt. Parallel zu .fly starten auch .eat und .here am 01. September 2026 in eine Sunrise Period, die bis zum 09. November 2026 laufen wird.

Teilnahmeberechtigt sind Markeninhaber mit Eintrag der Marke im Trademark Clearinghouse (TMCH). Der Live-Start ist aktuell unmittelbar folgend für den 10. November 2026 angesetzt, wobei im Zeitraum 10. bis 17. November 2026 eine Early-Access-Phase stattfindet, in der nach dem niederländischen Auktionsmodell die Registrierungsgebühren zunächst hoch sind, dann aber schrittweise sinken. Gedacht ist .eat als Domain-Endung

to provide a dedicated domain space in which registrants can enact second-level domains that provide content about food, restaurants and⁄or eating.

Im Fall von .here denkt Google an eine Nutzung für

locations (restaurant.here), socially-relevant sites (meetup.here), or content pinpoints on the Internet (click.here).

Es wird allgemein erwartet, dass weder für .eat noch .here besondere Vergaberegelungen gelten, so dass eine Registrierung für jedermann zu jedem beliebigen (legalen) Zweck möglich sein dürfte.

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