ccTLDs

Die britischen Steuer- und Zollbehörden dürfen jetzt .uk-Domains löschen

Die britischen Steuer- und Zollbehörden sind künftig in der Lage, die Suspendierung bis hin zur Löschung von Domain-Namen zu veranlassen.

Das geht aus dem UK Crime and Policing Act hervor, der am 29. April 2026 vom Königlichen Rat bestätigt wurde. Das Gesetz umfasst ein breites Spektrum an Straftaten, darunter »anti-social behaviour, sexual offences and knife crime«. Es beinhaltet insbesondere Maßnahmen zur Sperrung von IP-Adressen und Domain-Namen, wobei die erlassenen Anordnungen sowohl für Registries als auch Registrare gelten. Es gibt vier Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Richter einem Antrag auf Sperrung einer Domain stattgibt. Den Antrag auf Erlass der Suspendierungsverfügung können in England, Wales und Nordirland folgende Amtsträger stellen:

a constable, a National Crime Agency officer, an officer of Revenue and Customs, a member of staff of the Financial Conduct Authority, a person designated or appointed as an enforcement officer by the Gambling Commission under section 303 of the Gambling Act 2005.

In Schottland gilt die Antragsbefugnis für Staatsanwälte. Die Sperrfrist darf 12 Monate nicht überschreiten; bestehen hinreichende Gründe für die Annahme, dass die weitere Sperrung notwendig und verhältnismäßig ist, um dessen Nutzung für schwere Straftaten zu verhindern, kann eine Verlängerung beantragt werden. Das Gesetz soll voraussichtlich Ende des Jahres 2026 in Kraft treten.

Statistik

Eine Analyse des gTLD-Registrarmarkts zeigt dessen asymmetrische Struktur

GoDaddy, Namecheap, IONOS, Tucows oder natürlich united-domains.de – wer mit Domain-Namen zu tun hat, kennt die großen Domain-Registrare. Doch wie ist dieser regulierte Markt strukturiert? Dieser Frage ist Tobias Sattler, Mitbegründer der TechOps-Gruppe bei ICANN, in der Studie »A Data-Driven Analysis of Structural Asymmetries in the gTLD Registrar Market« nachgegangen.

Wer seinen Kunden Domain-Namen mit generischer Endung (gTLD) anbieten möchte, muss sich bei der Internet-Verwaltung ICANN akkreditieren lassen. Dazu schließt man ein »Registrar Accreditation Agreement«, das für alle Domain-Registrare gleich ist. Die sich daraus ergebenden rechtlichen Verpflichtungen gelten gleichermaßen für alle Registrare, unabhängig davon, ob sie – wie aktuell etwa GoDaddy – 52,7 Mio. .com-Domains verwalten oder gar keine. Diese Vereinheitlichung gewährleistet Vorhersagbarkeit, Gleichbehandlung und Chancengleichheit; dem Domain Name System hat sie seit mittlerweile über zwei Jahrzehnten gute Dienste geleistet. Trotz der prinzipiell gleichen Ausgangsgrundlage hat sich der Registrar-Markt in dieser Zeit entwickelt und gefestigt. Dieser Struktur ist Sattler in seiner Studie nachgegangen. Grundlage seiner Studie sind die Transaktionsberichte für jede generische Top Level Domain, die von ICANN monatlich veröffentlicht werden; daraus sind Neuregistrierungen, Verlängerungen, Transfers, Löschungen und Wiederherstellungen von Domains getrennt nach Registraren ersichtlich. Diese Berichte hat Sattler für acht der größten gTLDs (.com, .net, .org, .info, .shop, .store, .top und .xyz) über einen Zeitraum von 24 Monaten, von Januar 2023 bis Dezember 2024, gesammelt und ausgewertet.

Drei Erkenntnisse stechen dabei besonders hervor. So ist zunächst der Grad der Marktkonzentration hoch. Die sieben größten Registrare (Top 1 Prozent) vereinen 51,9 Prozent aller Neuregistrierungen und eingehenden Transfers auf sich. Die Top 10 Prozent der Registrare kommen auf 92,64 Prozent; die übrigen Registrare tragen zusammen nur 0,028 Prozent zum Markt bei. Zweitens ist ein beträchtlicher Teil der akkreditierten Domain-Registrare praktisch inaktiv. 116 Registrare, etwa 17 Prozent der gesamten Stichprobe, verzeichnen nahezu keine Transaktionsaktivität. Ihre Domain-Portfolien bleiben zwar durch Vertragsverlängerungen bestehen, ihr Beitrag zur Marktdynamik ist jedoch vernachlässigbar. Und drittens dominieren Vertragsverlängerungen das gesamte Transaktionsvolumen. Fast die Hälfte aller erfassten Transaktionen (49,7 Prozent) sind Vertragsverlängerungen. Bei den meisten Registraren übertreffen Verlängerungen alle anderen Transaktionsarten zusammen. Das Geschäft der gTLD-Registrare ist daher, wie die Transaktionsdaten zeigen, primär ein Portfolio-Management-Geschäft, während die Aktivitäten im neuen Markt auf wenige große Betreiber konzentriert sind. Auch ein regionales Muster konnte Sattler identifizieren. In der EU ansässige Domain-Registrare sind deutlich weniger konzentriert als der übrige Markt: Die größten 10 Prozent der EU-Registrare verzeichnen 72,9 Prozent der Neuregistrierungen und eingehenden Transfers, verglichen mit 94,9 Prozent bei Unternehmen außerhalb der EU. Ein Teil dieses Unterschieds dürfte auf eine größere Anzahl mittelständischer europäischer Registrare zurückzuführen sein. Ein anderer Teil könnte schlichtweg darauf beruhen, dass europäische Registrare einen Großteil ihres Geschäfts mit ccTLDs abwickeln, die in den Transaktionsberichten für gTLDs nicht sichtbar sind.

Auf zwei Einschränkungen weist Sattler hin. So wird der Reseller-Markt, mithin jene Registrare, die ihre Domains über akkreditierte Registrare ein- und dann weiterverkaufen, nicht gesondert erfasst. Ein akkreditierter Registrar erscheint daher als eine Einheit, auch wenn sein Volumen auf Tausende von Resellern verteilt ist. Zudem ist die Analyse deskriptiv, nicht kausal. Sie erklärt weder, warum der Markt so aussieht, noch prüft sie, ob eine bestimmte politische Änderung Verbesserungen bringen würde. Gleichwohl liefert die Studie eine empirische Grundlage, die in der Diskussion bisher fehlte: ein reproduzierbares und überprüfbares Bild der tatsächlichen Marktungleichheit. Die Zahlen liegen nun auf dem Tisch; es liegt an den Marktbeteiligten, die notwendigen Schlüsse zu ziehen.

Domain pulse 2027

nic.at lädt mit dem Thema »KI denkt. DNS lenkt.« Ende Februar an den Wolfgangsee zum Branchentreffen

nic.at lädt zum kommenden Domain pulse, der Ende Februar 2027 unter dem Titel »KI denkt. DNS lenkt.« am Wolfgangsee stattfindet. Über zwei Tage hinweg tauschen sich Fachleute aus der Domain- und Internetbranche sowie aus Forschung und Politik über aktuelle Themen rund um Domain-Namen aus.

Der Domain pulse ist die bedeutendste Veranstaltung für aktuelle Themen, Tendenzen und Trends rund um Domain-Namen im deutschsprachigen Raum. Die Fachtagung Domain pulse richten zusammen sowie alternierend die Registrierungsstellen der Länderendungen von Deutschland (DENIC eG), Österreich (nic.at) und der Schweiz (SWITCH) aus. Aktueller Gastgeber ist nic.at, die am 25. und 26. Februar 2027 ins »Eventresort scalaria« direkt am Wolfgangsee (Österreich) lädt. Das Motto der Veranstaltung lautet »KI denkt. DNS lenkt.«. Die Konferenz, die Fachwissen, Menschen und Institutionen aus Wirtschaft, Forschung und Politik über Grenzen hinweg vernetzt, widmet sich diesmal den großen Fragen der digitalen Zukunft:

Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Gesellschaft in rasantem Tempo – gleichzeitig bilden ein stabiles Domain Name System, digitale Souveränität und Cybersicherheit das Fundament für eine vertrauenswürdige digitale Welt.

Am ersten Tag des Domain pulse 2027 werden die die Themen KI, European Digital Sovereignty, Cyber Security und DNS besprochen. Als Referenten konnten unter anderem Prof. Dr. Christian Stummeyer, Prof. Dr. Sandra Wachter und Prof. Dr. Wolfgang Kleinwächter gewonnen werden. Noch keine Zusage liegt von Internet-Mitbegründer Vint Cerf vor. Wie übliche gibt es nach dem ersten Arbeitstag ein Abendprogramm, über das noch nichts näheres verlautbart ist. Der zweite Tag widmet sich Themen aus der TLD-Welt (New gTLD, ccTLD, DACH-Panel) und endet nach der Stabübergabe für den Domain pulse 2028 an Denic e.G. mit einem Abschiedslunch.

Der Domain pulse 2027 findet am 25. und 26. Februar 2027 im scalaria Event Resort, See 1, 5360 St. Wolfgang im Salzkammergut (Österreich) statt. Eine allgemeine Anmeldung wird in kürze starten, den Termin sollte man sich unbedingt notieren.

DomainGemsAI

Was die Analyse der Zone Files über Top Level Domains aussagen kann

Mohd Hashim (DomainGemsAI) hat sich Zone Files angeschaut, um besser zu verstehen, welche Domains unter Top Level Domains registriert sind, wie sie sich unterscheiden und ob man daraus ein besseres Verständnis für den Bestand einer Domain-Endung entwickeln kann.

Hashim ist Gründer von DomainGemsAI, einer Analyse-Plattform für Domain-Investoren. Er war lange Zeit im Bereich Rechenzentrumsinfrastruktur und technischer Betrieb tätig, was ihm einen anderen Blick im Hinblick auf Systeme gegeben hat. Seit er sich mit Domains beschäftigt, schaut er sich Zone Files an. Nun legt er eine Strukturanalyse vor, dernach sich aus den Zone Files von Top Level Domains gegebenenfalls ablesen lässt, wie gesund eine Domain-Endung ist. In der Regel werden Top Level Domains anhand der Anzahl registrierter Domains, Verlängerungsraten oder Aktivierungsdaten gelesen und verglichen. Jedoch können Namensräume mit nahezu identischen Registrierungszahlen aufgrund unterschiedlicher Domains völlig unterschiedliche innere Strukturen aufweisen. Mit der Methode von Hashim lässt sich nachverfolgen, aus welchen Domain-Arten sich der Registrierungsbestand einer Top Level Domain zusammensetzt und was das gegebenenfalls über die Qualität der Endung aussagt.

Die Analyse von Hashim klassifiziert Domains in strukturelle Kategorien. Er unterscheidet Domains in die große mittlere Masse von einfachen Domain-Namen ohne sichtbare kommerzielle Signale; sie umfasst zwischen 55 Prozent und 70 Prozent einer Zone. Eine kleine Gruppe von 5 Prozent bis 12 Prozent umfasst Domains von Investoren, die sich aus kurzen, prägnanten Namen zusammensetzt. Und es gibt die Kategorie im mittleren einstelligen Bereich der »Operator-Grade«-Domains, die kommerziell plausible Namen enthalten, mit denen ein Unternehmen realistischerweise eine Präsenz aufbauen könnte. Darüber hinaus gibt es ein strukturelles Rauschen, das aus Konsonanten-Clusters, extrem langen Keyword-Kombinationen, zufälligen alphanumerischen Mustern, sich wiederholenden Zeichen und Infrastruktur-Artefakten besteht. Über die Relation dieser Gruppen zueinander lassen sich, so Hashim, Aussagen über die Qualität der Top Level Domain treffen. Sie werden über leichte Verschiebungen der Relationen deutlich.

Leider wird Hashim an dieser Stelle nicht spezifisch, sondern bleibt allgemein. Er macht deutlich, dass einige Namensraum-Profile relativ mehr Domains enthalten, die als »Operator-Grade« einzustufen wären, während andere relativ mehr aufweisen, die als spekulativ zu klassifizieren und von Investoren registriert sind. Das gern herangezogene Registrierungsvolumen behandelt beide Profile gleich. Dabei muss ein erhöhter spekulativer Bestand sich nicht negativ auswirken; er kann die Liquidität im Sekundärmarkt und die Preisfindung unterstützen, aber ein Namensraum, der davon dominiert wird, verhalte sich im Laufe der Zeit ganz anders als einer mit einer stärkeren Basis an „Operator-Grade“-Domains. Auch die Domains, die für das strukturelle Rauschen verantwortlich sind, wirken sich aus, je nachdem, wie stark die Kategorie im Namensraum einer Top Level Domain ausgeprägt ist. In Profilen mit mehr Rauschen kamen zufällige alphanumerische Muster um ein Vielfaches häufiger vor und numerischer Spam trat in deutlich höheren Quoten auf. Andere Namensräume zeigten proportional mehr Domains mit Bindestrichen und auf Missbrauch (DNS Abuse) hindeutende Keyword-Zeichenfolgen. Die Daten deuten darauf hin, dass ein Namensraum mit einem hohen Anteil an zufälligen alphanumerischen und numerischen Spam-Domains wahrscheinlich über Registrar-Kanäle oder Werbestrukturen verfügt, die massenhaft »Wegwerf-Registrierungen« anziehen.

In jedem analysierten Namensraum bildete die defensive Mitte die größte Gruppe an Domains, die strukturell sauber, aber semantisch nicht verankert sind. Diese Domains sehen so aus, als könnten sie Marken, persönliche Projekte, Start-Up-Experimente oder Platzhalter-Registrierungen sein. Diese Kategorie schätzt Hashim als wichtiger als die Extremen ein. Die defensive Mitte, die einen Anteil von die 55 Prozent bis 70 Prozent jedes untersuchten Namensraums ausmacht, ist strukturell mehrdeutig. Ihre Wirkung kristallisiert sich im Zeitpunkt der Domain-Verlängerung heraus. Mit ihrer Verlängerung üben diese Domains einen überproportionalen Einfluss auf die langfristige Gesundheit des Ökosystems aus. Die gängigen Kennzahlen für Registrierungen sagen darüber rein gar nichts aus. Hashim kommt zu dem Schluss: Das Registrierungsvolumen trifft die Aussage, wie groß ein Namensraum ist. Die strukturelle Analyse zeigt, woraus dieser Namensraum tatsächlich besteht. Beides verdient einen Platz bei der Bewertung von Domain-Endungen.

ccTLDs

Die albanische Länderendung .al fiel wegen eines DNSSEC-Schlüsselwechsels aus

Ein fehlerhafter DNSSEC-Rollover hat die albanische Länderendung .al kurzzeitig außer Gefecht gesetzt.

Am 03. Juli 2026 hatte die .al-Registry Electronic and Postal Communications Authority (AKEP) versucht, einen DNSSEC-Schlüsselwechsel durchzuführen. Dabei trat ein Fehler auf, der zu Validierungsfehlern führte. Nutzer, die .al-Domains über einen validierenden Resolver aufrufen wollten, konnten sie während des Ausfalls nicht erreichen. Der Ausfall hätte potenziell alle .al-Domains betreffen können, unabhängig davon, wo sie gehostet wurden oder welche autoritativen Nameserver sie genutzt haben. Nach mehreren Stunden war die Domain-Namensauflösung im Interesse der Erreichbarkeit wiederhergestellt, auch wenn der gesamte .al-Namensraum zunächst noch unsigniert blieb und damit ohne DNSSEC-Garantie potentiell angreifbar war; auch das ist mittlerweile behoben. Der Vorfall bei .al erinnert an den Ausfall bei .de vor wenigen Wochen. Grund, auf DNSSEC zu verzichten, gibt es aber nicht. DNSSEC-Fehler auf TLD-Ebene sind sehr selten; treten sie gleichwohl auf, betreffen sie alle Domains unterhalb einer Top Level Domain gleichzeitig und alle validierenden Resolver gleichermaßen, was zu öffentlichem Aufsehen führt. Die Vorteile von DNSSEC, nämlich die Gewährleistung der Authentizität und Integrität der Zonen-Daten, überwiegt die Risiken aber bei weitem.

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