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Stand: Juli 2010

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BEWERTUNG VON DOMAIN-NAMEN MIT DER RICK-FORMEL

What's in a Name? Oder: Der Wert von Domains

Eine der wohl spannendsten Fragen des Domain-Business ist die Frage nach dem Wert einer Domain.

Vergleicht man Internet-Domains mit Immobilien in der realen Welt, so denkt man unweigerlich an die drei "L" nämlich: Lage, Lage, Lage.

Doch kann man dieses Bewertungsmodell auch auf Internet-Domains übertragen?

1. Kürze (Anzahl der Buchstaben)

In der Welt der Domains könnte man aus den drei "L" die drei "K" machen, nämlich: Kürze, Kürze, Kürze.

Allgemein gilt: je kürzer, also je weniger Buchstaben, desto wertvoller ist eine Domain. Jedem ist unmittelbar einsichtig, dass die Domain wein.de teuerer sein muss als z.B. das Ungetüm "wein-grosshandlung-muenchen.de".

Kürzere Namen bieten im Regelfall folgende Vorteile:

Die Internet-Adresse ist leichter merkbar. Denken Sie etwa an die oft nur wenige Sekunden dauernden Einblendung in TV-Spots.

Darüber hinaus sind kurze Domains meist weniger tippfehler-anfällig, machen sich besser auf Briefköpfen und Broschüren und kommen schließlich auch dem tippfaulen Vielsurfer entgegen.

Weiterhin ist es möglich, allein durch einen kurzen und prägnanten Domain-Namen immensen Traffic auf seiner Site zu generieren, ohne auch nur einen Cent in das Marketing der Site zu investieren. Dabei macht man sich die Tatsache zu nutze, dass viele Surfer den Umweg über die immer noch ineffektiven Suchmaschinen scheuen.

Sucht man einen T-Shirt-Shop im Netz, so probiert man es einfach "auf gut Glück" mal mit dem Eintippen von t-shirt.com oder t-shirt-shop.de in die Adresszeile des Browsers. Oftmals versteckt sich hinter dem eingetippten Schlagwort genau das, was man sucht.

Manche erfolgreiche Websites kommen mit diesem Konzept völlig ohne Marketing aus. Ein gutes Beispiel hierfür ist etwa domains.com. Möchten Sie sich eine com-Domain registrieren und wissen nicht wo? Probieren Sie's mal mit dem Eintippen von domains.com. Schon landen Sie bei einem US-amerikanischen Unternehmen, dass Ihnen genau diese Dienstleistung anbietet!

Auch was sich hinter sexshop.com verbergen wird, ist jedem klar. Wer ein Buch bestellen will, probiert's einfach mal mit buch.de oder buecher.de. Freunde von Versteigerungen im Netz werden unter versteigerung.de oder auktion.de fündig werden.

Der Surfer erreicht mit dieser Methode oftmals schneller sein Ziel als mit dem Umweg über die Suchmaschinen, die bei Stichwörtern wie "Software", "Wein" oder "Buch" Hunderttausende von mehr oder weniger sinnvollen Treffen ausspucken.

2. Commerce (kommerzielle Nutzbarkeit)

Doch anders als bei Immobilien ("Lage, Lage, Lage") spielen bei Domains neben "Kürze, Kürze, Kürze" auch noch andere Kriterien eine wesentliche Rolle für die Wertbestimmung.

Ein potentieller Käufer einer Domain wird bereit sein, um so mehr zu bezahlen, je besser sich die Domain kommerziell nutzen lässt, je besser er also selbst damit Geld verdienen kann.

Was nutzt der kürzeste Domain-Name ohne ein schlüssiges eBusiness-Konzept dahinter? Die höchsten Preise dürften sich dann erzielen lassen, wenn der Interessent den entsprechenden Business Plan praktisch schon fertig in der Schublade hat, zur Umsetzung des Konzepts jedoch noch eine "gute" Domain als i-Tüpfelchen fehlt.

Beispiele für Domains mit exzellenter kommerzieller Nutzbarkeit sind etwa reise.de, flug.de, wallstreet.com, software.com, sexshop.com oder gewinnspiel.de.

Etwas weniger wertvoll hingegen sind Domain-Namen, die lediglich einen Nischenmarkt ansprechen. Beispiele hierfür sind seidenmalerei.de, spacebooks.com oder segeln-online.de.

3. Image (der Top-Level-Domain)

Wo glauben Sie sind die Immobilien-Preise höher? In New York an der 5th Avenue oder in einem Dorf im Bayerischen Wald?

Die Städte und Dörfer in der realen Welt finden in der Cyberwelt in den verschiedenen Top-Level-Domains (also z.B. .com, .de, .info, .at, .ch) ihre Entsprechung. Die absolute Top-City-Lage in der Domain-Welt ist die com-Domain, das berühmte "dot com", das mittlerweile zum Synonym für das Internet selbst geworden ist.

Alle international ausgerichteten Unternehmen und Organisationen werden eine Präsenz unter der com-Domain anstreben. Der com-Domain kommt damit das höchste Image zu. Zahlreiche Unternehmen tragen das "dot com" mittlerweile sogar im Firmennamen. Denken Sie etwa an amazon.com, beyond.com oder phone.com

Ein ebenfalls gutes Image - zumindest für national ausgerichtete Angebote - kommt der de-Domain zu. Unter der de-Domain finden sich im Regelfall Angebote von Unternehmen mit Sitz in Deutschland.

Abzuraten ist hingegen von exotischen Top-Level-Domains wie .vu, .cc oder .tm. Unter diesen Top-Level-Domains tummeln sich eher die Briefkastenfirmen der Cyberwelt. Entsprechend miserabel sind das Image und damit auch die Auswirkungen auf den Wert solcher Domains.

4. Risiko (einer jur. Auseinandersetzung)

Spätestens wenn die erste gebührenpflichtige Abmahnung von einem Anwalt ins Haus flattert, wird dem Domain-Inhaber bewusst, dass man mit Domains nicht nur Geld verdienen, sondern auch richtig Geld verlieren kann.

Um es kurz zu machen: Domains, durch welche Namens-, Marken-, oder oder andere Kennzeichnungsrechte Dritter verletzt werden, sind völlig wertlos.

Niemand wird Ihnen auch nur einen Cent für eine Domain bezahlen, bei der er über kurz oder lang damit rechnen muss, in einen langwierigen und kostspieligen Rechtsstreit hineingezogen zu werden.

Wertlos sind damit etwa Domains wie siemens-online.de, coke.cc, super-man.com oder auch die immer beliebter werden "Tippfehler-Domains", also z.B. yehoo.com (statt yahoo.com) oder spigel.de (statt spiegel.de).

Zusammenfassung: RICK-Formel

Der Wert eines Domain-Namens hängt nach dem hier vorgestelltem Bewertungsmodell also im wesentlichen von vier Faktoren ab:

  • (R)isiko
  • (I)mage
  • (C)ommerce
  • (K)ürze
Reiht man die Anfangsbuchstaben der Schlagwörter aneinander, so ergibt sich die "RICK-Formel".

Ein Blick in die Praxis

Soweit die graue Theorie. In der Praxis ist eine Domain letztlich das Wert, was ein Dritter bereit ist, dafür zu zahlen.

Der tatsächliche Preis, der für die Übertragung einer bestimmten Domain bezahlt worden ist, gehört wohl zu einem der am besten gehüteten Geheimnisse des Domain-Business. Manchmal enthalten die entsprechenden Kaufverträge sogar strafbewehrte Vertraulichkeitsvereinbarungen.

Der Regelfall aber dürfte sein, dass es einem Unternehmen einfach peinlich ist, zuzugeben, eine Domain kaufen zu müssen. Denn damit offenbart man gleichzeitig, dass man erst spät auf den fahrenden Internet-Zug aufgesprungen ist und somit die frühzeitige Registrierung einer (brauchbaren) Domain schlichtweg verschlafen hat.

Trotz aller Geheimniskrämerei gelangen immer wieder Informationen über den gezahlten Kaufpreis ans Licht der Öffentlichkeit.

Nachfolgend finden Sie eine kleine Auswahl von tatsächlich gezahlten Kaufpreisen für Domain-Namen (komplette Preisübersicht):

domain-handel.de 2000 1.700,- DM
geschenkpapier.de 1999 2.000,- DM
domain.com 1997 10.000,- US$
candyland.com 1995 20.000,- US$
shopping.de 1999 70,000,- DM
ceasar.de 2000 200,000,- DM
internet.com 1999 100.000,- US$
business.com 1999 150.000,- US$
question.com 1999 175.000,- US$
university.com 1999 530.000,- US$
wallstreet.com 1999 1.030.000,- US$
autos.com 1999 2.200.000,- US$
altavista.com 1997 3.350.000,- US$
business.com 1999 7.500.000,- US$

Die Kaufpreise für Domains bewegen sich also innerhalb einer riesigen Bandbreite: angefangen von völlig wertlos bis hin zu Millionen Dollar-Beträgen...

Insider gehen jedoch davon aus, dass sich der Großteil der getätigten Domain-Transaktionen im Bereich zwischen EUR 500.- und EUR 1.000.- abspielt.

Beachten Sie aber, dass das Domain-Brokerage in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, so dass sicher noch einige Jahre ins Land gehen werden, bis man von einem funktionierende und stabilen Domain-Markt sprechen kann.

Jedoch kann das hier vorgestellte Bewertungsmodell (RICK-Formel) zumindest einige wesentliche Anhaltspunkte für die Ermittlung des fairen Wertes für eine Domain bilden.