05
Sep 2006
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von RA Florian Hitzelberger

Auf eine möglicherweise kostspielige Lücke in den Entwürfen der neuen Registry-Verträge für die Top Level Domains .biz, .info und .org hat der Kanadier George Kirikos, Inhaber eines Unternehmens zur Finanzanalyse und Entwicklung von Software für Großbanken, hingewiesen: demnach ist es den Vergabestellen vertraglich nicht untersagt, Domains zu verschieden hohen Preisen zu verkaufen.

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihre eMails und finden eine Nachricht des Registrars Ihres Vertrauens. Er macht darauf aufmerksam, dass für die Verlängerung des Registrierungsvertrages Ihrer .org-Domain statt bisher EUR 12,– nunmehr das Hundertfache zu bezahlen ist. Begründung: aufgrund des hohen Erfolgs und des hohen Wertes Ihrer Domain beträgt die echte Verlängerungsgebühr EUR 1.200,– im Jahr. Was zunächst unglaublich klingt, ist jedenfalls nach den gegenwärtigen Vertragsfassungen nicht völlig ausgeschlossen. Wie ICANN-Vorstand Vint Cerf auf Nachfrage bestätigte, sind die Vergabestellen grundsätzlich nicht gehindert, für attraktive Domains wie sex.biz oder movies.org ein Vielfaches der üblichen Registrierungsgebühren zu verlangen. Den Registries stünde damit ein Machtinstrument zur Verfügung, mit welchem sich die Preise auf dem Domain-Markt diktieren liessen. Ein ähnliches Modell praktiziert die dotTV Corporation bereits; dort sind ausgewählte und als besonders begehrt eingestufte .tv-Domain-Namen nur gegen Aufpreis zu erhalten.

Dass die Vergabestellen von dieser theoretischen Möglichkeit in der Praxis Gebrauch machen, gilt indes als ausgeschlossen. Derartige Preiserhöhungen müssten sechs Monate zuvor angekündigt werden, wobei der Domain-Inhaber in diesem Fall noch die Gelegenheit hätte, den Registrierungsvertrag bis zur Dauer von zehn Jahren zum alten Preis zu verlängern. Kirikos warnt jedoch davor, dass diese Vertragslücke auch als politisches Instrument eingesetzt werden könnte. So wäre vorstellbar, dass PIR, Verwalter von .org, beispielsweise die Registrierungsgebühr von porn.org auf eine Milliarde US-Dollar hochschraubt, und dies damit begründet, dass man das Internet und Kinder vor Pornographie im Internet schützen wolle. Auch Global Playern wie Google oder Microsoft, die auf ihre Adressen google.com oder msn.com elementar angewiesen sind, könnten so (und sei es erst in zehn Jahren) unter Druck gesetzt werden. Selbst bei missliebigen Domains wie verisignsucks.com ließe sich ein gewisses Drohpotential aufbauen.

Ob Hirngespinst oder potentielle Gefahr – Kirikos weist darauf hin, dass die Registry-Verträge derzeit nur als Entwurf vorliegen und noch geändert werden könnten. Auch wenn Vint Cerf von einem “Selbstmord” der Registries spricht, falls sie diese Lücke für sich nutzen wollten, meint Kirikos nicht zu unrecht, dass man diese Lücke in den Verträgen erst recht schon jetzt schließen sollte, wo es weder konkreten Anlass zur Sorge gibt noch die Registries ein Interesse haben wollen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Die öffentliche Kommentierungsphase zu den Entwürfen endete am 28. August 2006; jetzt liegt es am ICANN-Vorstand, anlässlich des Treffens am 13. September 2006 über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

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